Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 24 (1875)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Die Familie Gradis
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 447 (sequence 1)
- Language
- German
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Die Familie Gradis. 447 Iie Zlamilie Hradis Es ist doch nicht ganz gleichgültig, auf eine Reihe von Ahnen Hinweisen zu können, deren Namen die vergangenen Geschlechter mit Hochachtung und Ehrerbietung ausgesprochen haden. Der Geschlechtsadel hat nur deßwegen die dem Mammon und der Satyrs trotzende Bedeutung, weil ihm ein psychologisches Moment zu Grunde liegt. Die klassischen Völker — wozu man jedenfalls Judäer und Araber rechnen muß — haben einen hohen Werth darauf gelegt, und auch die modernen Menscheu, die Amerikaner nicht ausgenommen, können sich der Schwäche für das Patricierthum gesellschaftlich wenigstens nicht erwehren. Eine auffallende Erscheinung ist es, daß unter den Juden, die doch jedenfalls sich eines mehrtausendjährigen Adels rühmen können, sich nur so selten Stammbäume aus alter Zeit erhalten haben. In den slavischen Ländern giebt es allerdings Familien, die von Raschi oder mindestens von Salomo Lnrja oder andern berühmten Autoren abstammen wollen; aber sie sind nichtim Stande, Documente der Abstammung von einem Urahnen vorzulegen. Es wird den Lesern vielleicht angenehm sein, eine noch lebende geachtete jüdische Familie kennen zu lernen, die ihren Ursprung wenigstens bis auf das sechzehnte Jahrhundert stammbaumgemäß nachweisen kann. Es ist allerdings eine sephardische oder portugiesische. Die ersten Ahnen haben sich zwar nicht durch Gelehrsamkeit ausgezeichnet, aber durch etwas, was unter den Juden in den letzten Jahrhunderten nicht alltäglich war, durch Unternehmungsgeist und Dienstleistungen für den Staat, der sie geduldet und geehrt hat. Es ist die Familie Gradis, deren Nachkommen noch jetzt in Frankreich eine geachtete Stellung einnehmen.