Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 24 (1875)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Graecus Venetus [Rezension]
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 427 (sequence 9)
- Language
- German
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Recension. 427 wenn diesen, so träfe auch jene der Vorwurf des Polytheismus. Auch der Gebrauch des iu>a<f6qoz für שחר könnte mich bei dem frömmsten Griechen nicht befremden, nachdem ich sehe, daß die LXX מרחם משחר Ps. 110, 3 durch ix yaargös rrgo cEaxstpögov wiedergeben. Warum das Buch Esther nicht übersetzt wurde, weiß ich mir ebenso wenig zu erklären, wie den Ausfall der Psalmen, der auffällig bleibt, wenn man bei der Zusammenstellung unserer Version überhaupt eine Absicht und nicht den Zufall walten läßt. So viel aber ist mir sicher, daß das Buch Esther nicht wegen seiner Perserfeindlichkeit übergangen wurde, so wenig, wie Daniel wegen seiner Perserfreundlichkeit berücksichtigt wurde. Zu Daniel mochte vielleicht das eschatologische Interesse den Vertenten gezogen haben. Er hat ihm sichtlich vor allen anderen Büchern, selbst vor dem Pentateuch seine Aufmerksamkeit und seine Sorgfalt zugewandt. Die Sprachverschiedenheit des Buches wird auch in der griechischen Version durch Heranziehung des Dorischen nachgeahmt. Es ist auch correcter übersetzt, als der Pentateuch. Die Benutzung des Kimchi'schen Wurzelwörterbuches erklärt sich viel einfacher aus seiner Brauchbarkeit, als wie aus den Sympathieen eines Philosophen für den Vertheidiger Maimonidss'. Unsere Version ist nicht das Werk eines Philosophen, der sich doch wohl in erster Linie an das Buch Hiob gemacht, der sich aber auch nicht in ein so knechtisches Verhältniß zum Texte gestellt haben würde, insbesondere aber nicht das Werk eines freidenkenden, zügellosen Mannes, wofür wir, nach dem, vielleicht in gehäffiger Absicht übertriebenen, Berichte des Gennadius den Juden Eliffäus halten müßten. Ich hätte eher an einen gelehrten, pedantischen Mönch gedacht, an «htm Curiositätenkrämer, als an einen geistreichen Causeur, an welchem ein ntuslinischer Fürst trotz der Verschiedenheit des Bekenntnisses durch längere Zeit Gefallen finden konnte. (Schluß folgt.)