Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 24 (1875)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Die christliche Absolutions-Idee im Judenthum
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 411 (sequence 2)
- Language
- German
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Die christliche Absolutions-Idee im Judenthum. 4M Israel (im Gebete) aussprechen, und ich (Gott) will sie segnen" (Num. 6, 27). Wie die Haitd der Priester nicht segnen kann und soll, so kann und soll der Mund der Priester auch nicht von Sunden frei sprechen, sühnen, vergeben, absolviren. Die hebräische Bezeichnung für die Vergebung der Sünden ist 122, eigentlich ״bedecken", ״die Sünde vergessen machen." Aehnlich spricht der Prophet Micha (7, 18 und 19): Wer ist wie Du, o Gott, der Schuld aufhebt (vergibt) und über die Fehler seines übrig gebliebenen Erbes hinweggehl (ihrer nicht gedenkt oder sie nicht bemerkt), nicht auf immer seinen Zorn anhält, da er gern Liebe walten läßt? Er erbarmt sich unser wieder und unterdrückt unsere Schulden; und Du, o G o t t, wirfst alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres", d. h. tilgst sie vollständig aus der Welt, dem Anblicke und Gedächtnisse, denn was in die Tiefen des Meeres gesunken oder versenkt war, davon glaubte man, daß es nicht mehr ans Tageslicht komme und vollständig vergessen sei. Der Talmud (l. o.; auch Sifra) berichtet uns nur, daß und wie der Hohepriester für die Sündenvergebung gebetet habe. Er bekannte laut und öffentlich zuerst seine und seines Hauses, dann des Priesterstandes und endlich des Volks Sündhaftigkeit, nicht die fpeciellen Sünden, und rief die Gnade Gottes zur Sühne und Vergebung an. Der Hohepriester galt demnach nicht als Unfehlbarer. Wie hätte man nun dem Munde eines sündhaften Menschen, sündhaft wie das Volk selbst, die Macht und Kraft der Absolution zutrauen können? Es wird in der Mischna ausdrücklich betont, daß dabei der Name Gottes als Tetragramm ausgesprochen wurde, ursprünglich bei jeder Wiederholung, später wohl nur Ein Mal. Darauf scheint sich die Bemerkung des jerusal. Talmuds zu beziehen (Jom. 3, 7): בראשונה השם ובשנייה בשם (Auch die Tosephta hat diese MittHeilung): das erste Mal השם, das zweite Mal בשם, denn das Sündenbekenntniß wiederholte sich bekanntlich drei Mal: für den Hohenpriester, den, Priesterstand und das