Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 24 (1875)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Der Einfluß jüdischer und griechischer Bildung auf das Culturleben der Völker
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 259 (sequence 19)
- Language
- German
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auf das Kulturleben der Böller. 259 Anregung empfing das Judenthum wohl vom Hellenismus. Die Anfänge der Tanaim-Periode und der mischnaitischen (talmudischeu) Schriftforschung, wie des erweiterten biblischen Schriftthums (Hagiographen, Apokryphen) fallen wohl mit Alexander's Einzug und Simon II Hazadik zusammen. Letzterer führt diesen Beinamen wohl weniger seiner Frömmigkeit wegen, denn als Repräsentant der Saducäer, welche hauptsächlich dieser wissenschaftlichen Richtung huldigten. Der Einfluß griechischer Philosophie auf das Judenthum wiederholt sich später durch arabische Vermittelung im Orient (Saadia) und in Spanien (Maimonides). Auch hier wurde die neue ״Weisheit", Philosophie genannt, und deren Berührung mit der ״Gotteslehre" verfolgt und verboten. Maimonides' Schriften wurden verbrannt und deren Studium durch den Bann interdicirt. Als Gegengewicht bildete sich die kabbalistische Ge. beimlehre und eine ascetische Orthodoxie aus, welche zur Verknöcherung des religiösen Denkens und Lebens führte. Aehnliches geschah auf christlichem Gebiete. Auch hier beeinflußte die griechische Philosophie und deren Berührung ntit dem religiösen Denken und Leben, zum Theil durch jüdische Vermittelung, die Kirche. Auch hier schritt die Disciplin der Kirche, besonders durch die Inquisition, dagegen ein. Die scholastische Mystik und kirchliche Orthodoxie traten auch hier als Gegengewicht auf. Dennoch konnte die Reformation nicht verhindert werden. Wie die Starrheit der kirchlichen Orthodoxie, so ward auch die der jüdischen durch die Macht der Wissenschaft durchbrochen und für beide das Zeitalter der Reformation eingeleitet, welche indeß nicht blos eine religiöse geblieben ist, sondern auch in politischer und socialer Beziehung für Christen wie Juden weitverbessernd auftrat und fortwirkt. Man nennt diese neue wissenschaftliche Richtung die universel - humane im Gegensatz zu der exclusiv-kirchlichen. Die Träger und Faktoren derselben wa- 17*