Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1875-01-01 · Heft 5 · p. Seite 207

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
24 (1875)
Issue
Heft 5
Article
Der Einfluß jüdischer und griechischer Bildung auf das Culturleben der Völker
Date
1875-01-01
Page
Seite 207 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829458-2829464-2868611--16129-2868637
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

auf das Culturleben der Völker. 207 Das Buch Koheleth wird , ebenso falsch beurtheilt, wenn man darin eine Predigt für den materiellen Genuß, wie gegen die Unsterblichkeit findet. Es predigt vielmehr die jüdischen Lehreu in der geschilderten Art und nach der rechten Weise. Das Judenthum hat nie dem wilden Genussesleben das Wort geredet. Sein erstes Bibelwort, die Erzählung vom Sündenfalle der ersten Menschen, spricht schon dagegen. Ben Sira (37) hat gleichfalls eine Predigt gegen die Epikuräische Genußsucht. Ebensowenig hat die Leugnung der Unsterblichkeitslehre im Judenthum eine Stätte gehabt. Sie folgt bei Moses, der über alles Trancendentale schweigt, weil es deni Menschen verborgen ist, aus dem Wesen des geistigen und göttlichen Elements, welches dem Menschen inwohnt. Die Lehre vom Dasein eines einzigen Gottes, worauf sich Moses Offenbarung beschränkt, ist aus der sichtbaren Natur, wie aus dem innern und äußern Leben des Menschen und der Geschichte der Völker erkennbar; dazu bedarf es keiner metaphysischen Forschung. Und wie wohl that Moses an dieser Ausschließung aller weitern methaphysischen Dogmatik. Das Judenthum ist dadurch vor sektirischer Spaltung und religiöser Hetzerei bewahrt worden. Unbekannt konnte der Unsterblichkeitsglaube Moses aber schon nicht sein, da er ihn bei den Aegyptern kennen gelernt hatte, deren Todtencultus er sogar durch das Gesetz von der Verunreinigung durch Berührung eines menschlichen Leichnams entgegen trat, um so die Erkenntniß von dem geistigen, göttlichen Elemente des Menschen, das ihn belebt, und wodurch er Mensch ist, deutlicher in die Augen fallen zu laßen, und bei jedem Todesfälle wieder ins Gedächtniß zu rufen, daß dieser belebende Hauch Gottes, der göttliche Geist des Menschen, immerfort lebt und nie stirbt. Der spätere Auferstehungs glaube war nur eine andre Phase dieser Unsterblichkeitslehre, die im Judenthum stets vorhanden war und in ihrer Reinheit, gegenüber jener persischen Anschauung von der leiblicheu Auferstehung, wie sie ins Judenthum gedrungen ist, von

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.