Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 24 (1875)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zacharias Frankel
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Zacharias Frankel. 147 die den Herrn höhnen, dem sie eben entlaufen sind, die Andern trugen seine Satzung nicht viel anders wie Sklaven eine Fessel tragen, unfrei, mit zur Erde geheftetem Blick. Hier die Neueren, die das Judenthum, dort die Orthodoxen, welche die Zeit nicht kannten; hier wurden die Pfeile ׳ des Spottes, dort Bann und Achtung gegen den Gegner geschleudert, und manchem treuen Israeliten mochte bange werden in diesem wilden Kriege. Da gründete Frankel diese Zeitschrift und schuf damit einen Boden, auf welchem die Partei der Versöhnung fick zusammenfand und entwand den Gegnern des jüdischon Stammes und seiner Gleichstellung so manche gefährliche Waffe. Am schmerzlichsten wohl hat die Nachricht von dem Hinscheiden dieser großen und treuen Seele den Kreis der Mitarbeiter und der Leser dieser Blätter berührt. Zwar gehört Frankel zu den Männern, dessen Wirken so tiefe Furchen durch die Zeit gezogen hat, daß es auch dem Laien erkennbar ist. Hat sich doch an ihm erwiesen, wie die echte Wissenschaft im eminenten Sinne praktisch ist, wie große Gelehrsamkeit der Sonne gleich gar nicht anders kann als eine Welt erleuchten. Dennoch schaut der Fernstehende nur den Umriß einer großen Persönlichkeit, und zumal der Gelehrte kann nur recht gewürdigt werden von denen, die den Spuren seines Geistes folgen können. Schwer empfunden wird überall der Verlust des Unersetzlichen; aber diejenigen, denen er ein so sicherer und zuverlässiger Führer war oft auf von ihm zuerst betretenen Bahnen, werden es am besten ermessen, welche Schätze dieser Geist noch hätte heben, welche Gebiete der Wissenschaft er noch hätte entdecken oder wiedergewinnen können. Sein ganzes wissenschaftliches Wirken hatte ein Ziel — eine Hodegetik in den Talmud; fast alle seine Schriften sind so zu sagen nur Ausführungen einzelner Theile in diesem großen Plane, der unvollendet bleiben mußte, weil ein einzelnes Menschenleben, und würde es noch so fleißig und erfolgreich wie von den! verewigten Meister verwendet, hierzu 10*