Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 23 (1874)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Studien über die Tosifta
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 567 (sequence 7)
- Language
- German
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Studien über die Tosifta. 567 Weise geleitet, daß man das zuerst eiugetroffene Paar, u. z. Jede» besonders, ins Verhör »ahi». Die Fragen, die man ihnen vorlegte, waren astronomisch-geographische, und wenn zwei Zeugen in ihren Antworten übereinstimmten, so erhielt ihre Aussage die uöthige Rechtskraft; nichts destoweniger nahm man, wenn auch nur pro forma, alle Zeugen paare ins Verhör, dauüt sie ja und ja wiederkommen (2, l>). Nach beendigtem Zeugenverhör erklärte der Patriarch als Präsident des Kalenderrathes den Tag für heilig und erst nachdem er dies gethan, konnte man den 30. Tag als Neumond begehen (2, 7). Die Beobachtung des Neumondes durch Zeugen hatte schon zur Zeit N. Gamaliel's . II viel von ihrer ehemaligen Bedeutung eingebüßt. Dieser Patriarch bediente sich astronomischer Zeichnungen, die er den Zeugen aus dem Grunde vorlegte, um sich von der Uebereinstimnlung seiner Resultate mit der Beobachtung zu vergewissern. Daß er seiner astr. Berechnung großes Gewicht beilegte und zuweilen die Aussagen der Zeugen hiirtenansetzte, führte zwischen ihm und R. Jofua l) zu Reibungen, die nur der überall vermittelnde R. Akiba anszugleicheu verstand (2, 8. 9). Die Heiligung des Neumondtages mußte in optima forma ausgesprochen werden. Hatte also auch alle Welt am Abend des 30. die Mondscheibe gesehen, oder zog das Zeugenverhör sich in die Länge, sobald die Heiligung des Neumondes nicht vor Anbruch des Abends erfolgt war, mußte der abgelaufene Monat für vollzählig gelten. Diese Formalität durfte auch dann nicht unterbleiben, wenn das Synhedrion selbst die Mondscheibe gesehen und keine fremde Zeugen zu oernehineu nöthig hatte (3, 1). Wir wollen hier innehalten und unser Augenmerk nunmehr!) Daß übrigens auch N. Ivsua de» Kalender bereits astronomisch berechnete, geht unzweideutig aus der Vorladung des Patriarchen hervor: גהרני עליך שתבא אצלי כיום הכיפורים שחל להיוח בחשבונך, aber ebenso aus dem in der Mischna einige Male gebrauchten Worte לדון, welches hier nichts anderes als rechnen bedeutet.