Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 23 (1874)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Zur Halachakritik
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 526 (sequence 2)
- Language
- German
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526 Verhältnis der Tosista zur Mischna und der jerusalcmischcn Passung derselben an das Leben — natürlich unbewußt — einzig und allein verlegen konnte. Nur die palästinensische Mischna, die geschrieben als guter Codex — dessen Rest auch gut erhalten in der Tosista uns vorliegt — nach Babylonien kam, bildete das Band, welches die dortigen Juden an Palästina und die abgelaufene Geschichtsepoche knüpfte. Die Verbindung zwischen Babylonien und Palästina muß schwierig gewesen sein; mir wissen beispielsweise von dem Amo ra R. Jehuda, daß er die Auswanderung streng verpönte und die Schüler setzten sich damals über das Gebot eines Lehrers nicht so leicht hinweg, die äußeren gespannten Verhältnisse zwischen dem römischen und persischen Reiche begünstigten den Hinrnrd Herzug, als wenn es von Dorf zur Stadt gälte, wie angenommen wird, durchaus nicht. Das Bedürfniß zur neuen Codificirnng der palästiuenfischen Mischna mögen die Amoräer selbst empfunden haben, um eben, weil ihrer Ansicht nach der Veränderung nicht mehr fähig, eine knappere mehr abstrakte Halacha zu erhalten, und es mag auch, was im Grunde gleichgültig ist, der Impuls vom Nesch Galutha ausgegangen sein, der doch bei manchen Nechtsurtheilen gewiß auch mitzureden hatte. Doch die Vernmthungen dahingestellt, das halten wir für unzweifelhaft, daß unsere Mischna ein Product Babyloniens sei, und daß sie auf Grund der dort Vorliegenden palästinensischen Mischna — unserer Tosista — sich ausbaute. *) Gehen wir an der Hand dieser Thatsacheu an die Erklärung der schwierigen Mischnas in Edojoth und wir werden Klarheit und Zusammenhang finden, was man bis jetzt vergebens suchte. Wir wollen sie nach der Ordnung verfolgen. Schon zu ') Wir machen die Sprachforscher sr professo auf diese Fundgrube aufmerksam. Die mischnische Sprache läßt sich nicht aus der babylonischeu sondern aus der palästinensischen Mischna ermitteln. Sie mögen untersm chen, ob nicht die Tosista einen ganz anderen einheitlichen Sprachcharakter hat als unsere Mischna.