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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1874-01-01 · Heft 10 · p. Seite 466

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
23 (1874)
Issue
Heft 10
Article
Studien über die Tosifta
Date
1874-01-01
Page
Seite 466 (sequence 3)
Language
German
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466 Studien über die Tosifta. sen. In der eingehendsten Weise werden sämmtliche Widersprüche, welche die beiden Talmude in Bezug auf das soeben erwähnte Verhältnis^ aufweisen, nicht biss angeführt, sondern auch systematisch geordnet und um diese Widersprüche zu lösen, wird eine Hypothese — deren Grundzüge wir schon bei Maimonides, ja z. Th. schon im Talmud selbst finden, aufgestellt und in streng wissenschaftlicher Weise durch schlagende Belege erhärtet. Herr Dr. Dünner greift die Hypothese an, und da ihm die Thatsache, daß einzelne Elemente der Tosifta den Amoräern vollständig unbekannt geblieben, nach wie vor unerklärlich bleibt, verwirft er die Frankel'sche Ansicht und stellt eine Hypothese auf, nach welcher die Tosifta erst nach Abschluß des Talmuds, d. h. am Anfang des 6. Jh. aus den in beiden Talmrrden zerstreuten Boraitoth gesammelt wurde. Sind nun hierdurch alle Widersprüche gehoben? Herr Dr Dünner glaubt, die Frage bejahen zu können, indem er ein allerdings nicht unbedeutendes Moment zrr seiner Hypothese noch hinzufügt: In die zu Anfang des 6. Jahrhunderts veranstaltete Tosiftasanunlung haben auch jene Partien Arrfnahme gefunden, die seit dem Tode der letzten Tanaiten — Anfang des 3. Jh. — z. Th. in Babylonien z. Th. in Pa, lästina völlig unbekannt gewesen. Wir wollen nicht fragen, iver diese durch 300 Jahre verborgen und sicherlich nicht handschriftlich vorhanden gewesenen Boraitoth entdeckt haben mag, woher die Tosephta zu den Mischna-Traktaten stammt, denn daß die meisten Entdeckungen vom Zufall herrühren, daran sind mir durch die Dünner'sche Hypothese wieder lebhaft erinnert morden. Nur um die Beantwortung einer Frage möchten wir Herrn Dr. Dünner bitten. Wenn die Tosifta eine aus den Talmuden entstandene Sammlung ist, wie kommt es dann, daß wir in Babli 3—4 mal mehr Boraitoth als in der Tosifta finden? Welche Principien mögen den Sammler geleitet haben, daß er eine solch eigenthümliche Auswahl getroffen und das ursprünglich Bessere mehr als ein Mal unberücksichtigt gelassen?

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