Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 23 (1874)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Erklärung
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 429 (sequence 4)
- Language
- German
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Erklärung. 429 wiedergeben werde nach den Worten derselben und nicht nach dem, was er in Gedanken gehabt oder hat sagen wollen, wenn ich nicht noch die Hoffnung hegte, Herrn vr. Dünner zur Zurücknahme seines Vorwurfes der ״Entstellung" zu bewegen. Es handelt sich nänrlich bloß darum, daß mir uns über die Begriffsbestimmung der Worte ״Congloiuerat" und ״Codex", welche das oorpus delicti bilden, einigen. Aenßerliche Verschnielzung zweier verschiedener Bestairdtheile nannte ich Conglomerat, und verstand eben darunter ein Gemenge, eine mechanische Vereinigung hu Gegensatze zu einer chemischen, organischen, mit einem Worte einheitlichen. Nicht jede Sammlung von Gesetze» ist ein Conglomerat, wie Herr vr. Dünner anuimmt. Ist Maimuni's Codex ein Conglomerat? Sind die Pandekten Justinians ein Conglomerat? Wenn der Stoff, mag er aus noch so vielen Werken hergeholt sein, einheitlich verarbeitet ist, so ist das Ergebniß eine mehr oder weniger organische einheitliche Verbindung, beileibe kein Conglomerat. Die Absicht eines Verfassers, ein einheitliches Werk aus vielen anderen zu schaffen, kann mehr oder weniger erreicht sein, aber hier kommt es auf die Absicht des Verfassers an. Notorisch will unsere Mischna ein einheitliches normirendes Gesetz sein, und nian sucht nach den leitenden Gedanken des Re« dactor, wie Frankel das in ben כללי המשנה versucht. , Das setzt voraus: Sie ist kein Conglomerat. Was ist nun die Tosifta? Die Thatsache, daß die Citate aus der Tosifta bald mit Jeruschälmi bald mit Babli übereinstimmen, führte Frankel zur Annähme, die Tosifta sei eine Verschmelzung der Sammlungen R. Chijas und R. Hoschijas. Das hat meines Erachtens nur den Sinn: Die Tosifta ist bezüglich der Codification nicht mit der Mischna zu vergleichen, sondern sie ist ein Conglomerat. Wir müssen uns denken, es hat Jemand ohne einheitlichen Plan aus den Werken R. Chijas und R. Hoschijas sich Auszüge gemacht. Denn nur dann ist die wunderbare Erscheinung der verschiedenen Lesarten erklärt. Darum kann man auch nach dieser Auffassung