Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 23 (1874)
- Issue
- Heft 8
- Article
- R. Simeon ben Zemach Duran
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 360 (sequence 6)
- Language
- German
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360 R Simeon ben Zemach Duran. des Erstem: ״Wenn ich auch nach Allem, was niir Rabbi Duran gethan, ihn eher verurtheilen als rechtfertigen möchte, so kann ich mich doch nicht der Wahrheit verschließen und will bekennen, daß seine Entscheidung die richtige ist." J) Es gehörte allerdings keine geringe Selbstverleugnung dazu, vor einem viel jüngern Gelehrten die Waffen zu strecken. Duran's tiefe talmudische Gelehrsamkeit imponirte dermaßen ben Scheschet, daß dieser ihn nicht nur bei der Abfassung der Gutachten häufig zu Rathe zog,a) sondern ihn bei einer Gelegenheit auch bat, statt seiner ein Gutachten abzugeben.b) Das anspruchslose Verhalten Duran's ben Scheschet gegenüber wird treffend durch eine Anekdote, die er selber erzählt, beleuchtet.Ben Scheschet war inFolge eines eigenthümlichen Ereignisses von der hellsehenden Kraft der Träume überzeugt. Als nun einmal ein, wie sich später herausstellte, verworfener Mensch ihm berichtete, es hätte ihm geträumt, daß der Gemeinde ein großes Unglück bevorstehe, setzte er, um diesem Unglück vorzubeugen, ein dreimaliges Fasten ein. Damit hatte er jedoch seinen Glaubensgenossen eine unverdiente Glaubensstärke zugemuthet, und es zeigte sich, daß außer Duran beinahe Niemand sein Vertrauen rechtfertigte. ״Denn", fügt Duran scherzweise hinzu, ״was mich betraf, wenn mir ein gelehrter Genosse gesagt hätte, ich sei ein Ahronide und müsse die priesterlichen Functionen übernehmen, ich würde mich gefügt haben." * * * 4) ') G. A., 101. י) Das. 35, 56, 170. »ו Sim. Duran, G. A.. (I, 15). 4) Dieser Punkt wurde darum so betont, weil Grätz, a. a. O. S. HO, behauptet, daß ben Scheschet's Alter durch Duran verbittert worden wäre. Die Worte des Erstern in Nr. 101, die wir angeführt haben, dietcn Nichts, woraus auf eine Feindseligkeit zwischen Beiden geschlosien werden könnte. In Nr. 60 jedoch, das ebenfalls als Beweisstelle bei Grätz angeführt wird, ist, wenn auch kein Name genannt wird, von Bonastruc, als demjenigen die Rede, der ihm so viel zusetzt. War es doch Bonastruc, von dem b. Scheschet bald darauf (Nr. 61) in der größten Erregtheit erzählt, daß er ihn in der Synagoge beschämt hat.