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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1874-01-01 · Heft 7 · p. Seite 329

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
23 (1874)
Issue
Heft 7
Article
[Rezension] / P.
Date
1874-01-01
Page
Seite 329 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Recensiomn. 329 abgehandelt! Als ob der heute Allen geläufige geographische Begriff Frankreich auch schon damals in culturhistorischer Beziehung eine Einheit repräsentirt hätte. Als ob es nicht feststände, daß Südfrankreich damals in politischer und socialer, geistiger und religiöser Hinsicht vom Norden streng getrennt gewesen, und special die geistige Entwickelung der ftanzöfischen Juden in der Champagne z. B. einen ganz anderen Gang genommen, einen ganz anderen Character getragen hat, als die ihrer Glaubensbrüder in der Provence. Wer eine Geschichte der Bibelauslegung bei den französischen Jsraeliten zu schreiben unternimmt, muß die strenge Scheidung des nordfranzösisch-jüdischen Geistes von dem provenyalischen auch äußerlich durchführen. Eine directe Einflußnahme der südfranzösischen Exegese auf die nordfranzösische finden wir erst zu der Zeit, wo letztere bereits im Verfalle begriffen ist. *) Bis zu ihrem Höhepunkte hat die nordfranzösische Bibelauslegung völlig selbstständig sich entwickelt und bildet daher mit der Exegese in Deutschland, die genau den Character jener wiederspiegelt, in Eins zusammengefaßt, eine völlig selbstständige Erscheinung auf dem Gebiete der jüd. Literatur. Die südfranzösische Exegetenschule hingegen kann und im Zusammenhänge mit der arabisch-spanischen ins rechte Licht gesetzt werden, und es ist darum nicht minder unrichtig, erstere von letzterer gesondert zu betrachten, als erstere mit der uordsranzösischen gemeinschaftlich zu behandeln. Unter ״die bedeutendsten israelitischen Exegeten" (s. S. 6) rechnet der Vers, zunächst Mose ״Hadorschon" und Jehuda ״Hadorschon"; diese beiden sind aber nicht eigentlich Exegeten, sondern, wie ihre Erörterungen zeigen, ausschließlich Vertreter der agadischen Auslegung und gehören mithin nicht in die Geschichte der Exegese, sondern in die der Agada. Passender wäre es gewesen, an die Spitze der Exegeten nordfranzösischer Schule neben Menachem b. Chelbo, Tobia ben Elieser zu setzen, in dessen Pentateuch-Commentar (לקח טוב) die Agada mit der natürlichen Aus- *) Der anonyme Commentator der Chronik hat von den Exegeten und Lehrern in der Provence, mit denen er mündlich verkehrt hat, nur einzelne Erklärungen, keineswegs aber irgend eine Eigentümlichkeit des südfranzöfischen Geistes entlehnt; bei Rabbenu Tam zeigt sich der Einfluß des Südens auf den Norden höchstens äußerlich in der Anwendung des Reimes und der Versmaße zu profanen Zwecken und in der Vorliebe für das Studium der in hebr. Sprache verfaßten grammatischen Schriften; Bechor Schor endlich ist so durch und durch originell, daß trotz seines Lehrers Obadia aus Spanien nur wenige oder gar keine Spuren vom Geiste des Südens in seiner Exegese sich Nachweisen lassen.

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