Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 23 (1874)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Halachakritik
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 2)
- Language
- German
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190 Verhältniß der Tosifta zur Mischna und der jerusalemischen ter gültiger neuer Codex hervorgegangen ist. Wie der Babli den Standpunkt unserer Mischna festhält, so Jeruschalmi den der Tosifta. Dieses neue literarhistorische Ergebniß streitet gegen die Resultate bewährter Forscher auf diesem Gebiete, weshalb es unsere Aufgabe zunächst ist, jenes diesen gegenüber zu rechtfertigen. Mein hochverehrter Lehrer, Herr Direktor Frankel, hat dieser Frage in seinen beiden Werken (Darke Hamischna 304—308 und Mebo Hajeruschalmi 22a—27 b) eingehende Besprechung gewidmet. Es ist nicht zu läugnen, daß die genannten Werke als epochemachend in der talmndischeir Literatur zu bezeichnen sind, was schon daraus heroorgeht, daß beide nach ihrem Erscheine>1 von der extremen religiösen Richtung im Audenthum mit heftiger Leidenschaftlichkeit angegriffen wurden. Während von hochorthodoxer Seite das Streben Frankels in seinem Darke Hamischna, die Mischna genetisch zu begreifen, in ihrer Entwickelung zu verfolgen, als ketzerisch hingestellt wurde, hat der Fahnenträger der Reform seine giftigen Weile gegen das zweite Werk geschleudert, iveil die Resultate desselben mit den Tendenzhypothesen der Reform nicht übereinstiminen. ') Die Vernünftigen müssen sich sagen, daß die gegenseitigen extremeil Angriffe sich aufheben und die Bedeiltung der beiden Werke, gerade darin besteht, das Talmudstudiunl in eine neue Bahn gelenkt zu haben, nänrlich in die geschichtliche Ersassilng der Halacha, welches Verdienst ihnen llicht mehr streitig gemacht werden kann ') Dse Abfertigung Geigers in dieser Monatsschrift (1871, S. 120 ff.) war eine wohlverdiente. In der Thal hätte vr. Geiger seine Unkenntnis im Talmud nicht besser dokumentiren können, als durch jene Necension. Daß seine Dogmen in anderer Beziehung ״die Niemand bezweifeln sollte", falsch sind, hat erst jüngst das von vielen Seiten mit Evidenz nachgewicjene Verhältniß von Joseph b. Aqnin zu Maimuni ergeben.