Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 23 (1874)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Mißverstandene Stellen in der Genesis
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829444-2829448-2867803--15357-2867837- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Hebron 1× ep/1047559
OCR text
120 Mißverstandene Stellen in der Genesis. und Kleinvieh (V. 5). Von Aegypten zurückkehrend zogen beide, wohin? Wo Abrahams Zelt früher war, und wo er einen Altar erbaut hatte, d. h. in die wenig fruchtbare Gegend zwischeu Bethel und M (das. V. 2—5.) Inzwischen hatten sich auch in dieser Gegend nicht nur Kanaaniter, sondern auch Pherifiter angesiedelt. Hier hatte zwar Abraham das Prioritätsrecht für sich, und hätte die neuangesiedelten Hirten verdrängen dürfen. Allein er bestand nicht auf seinem Rechte, machte sogar seinem Brudersohne Lot Concessionen, verließ diese Gegend wegen der Kanaaniter und Pherisiter und wanderts nach der Gegend von Hebron. Wie künstlerisch sind diese Züge angebracht! Sie wollen nicht bloß die Thatsachen erklären, warum Abraham zuerst die fruchtbare Gegend von Sichem mit der wenig fruchtbaren von Bethel-M vertauscht, und später die Gegend von Hebron ausgesucht hat, sondern sie wollen auch Abrahams Friedensliebe und Selbstlosigkeit, kurz Abrahams sittliche Größe ins Licht setzen. Man lese diese Abschnitte in diesem Sinne und von diesem Gesichtspunkte aus, und die Schwierigkeit uud die Anhaltspunkte für Krittelei werden schwinden. Wenn sich die Kunst eines Künstlers nicht im Colossalen, sondern grade in den Feinheiten scheinbar unwichtiger Züge zeigt, so offenbart der Pentateuch, und namentlich die Genesis diese Kunst in Vollendung. Es ist nichts überflüffig darin, Alles hat seine Bedeutung, allerdings nicht um der Kunst willen, sondern um das Ethische und tief Religiöse, die sittliche Idee zum Bewußtsein zu bringen. Der Pentateuch ist nicht eine künstlerische Com- Position für Poesie, sondern für die von der Religion getragene Sittlichkeit. Doch kehren wir wieder zu unserem Thema zurück. Die beiden Verse mit ihrem Zeitadverbium אן können nichts anders bedeuten, als damals warenschondieKanaanite rin der Gegend vonSichem unddieselben inVerbindungmitden Pherisiternin derGegend von Bethel-A'!'. Sachgemäß ist damit die allmälige Einwanderung und Verbreitung der kanaanitischen