Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 23 (1874)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Das jüdische Unterrichtswesen während der spanisch-arabischen Periode [Rezension]
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 2)
- Language
- German
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86 Recenston. ren, in ihrer Wissenschaft. Nirgend sonst begegnet uns in der Geschichte solch ein offenkundiger Zusammenhang des Wissens mit dem Leben, niemals wieder ist die reine Wissenschaft gewissermaßen so praktisch gewesen wie hier. Die Geschichte des jtidischen Unterrichtes, der jüdischen Pädagogik, sollte man meinen, müßte daher den Nerv der jüdischen Geschichte überhaupt bloßlegen. In der Geschichte erwarten wir Entwickelung. Wird die jüdische Pädagogik des Mittelalters eine Entwickelung zeigen? Man wäre geneigt, von vornherein mit Nein zu antworten. Warum hat die Pädagogik anderer Völker einen Entwickelungsgang aufzuweisen? Weil in verschiedenen Zeiten das Bildungsideal bei ihnen verschieden war, weil die Ziele des Unterrichts unausgesetzt schwankten und wechselten, weil das Erziehungssystem, in den! eine Zeit sich behaglich eingerichtet hatte und das sie für den Gipfel der Vollkommenheit zu halten gewohnt war, von dem Hauche eines bedeutenden Geistes in der Folgezeit hinweggeblasen wurde wie ein schwaches Kartenhaus. Während so die übrigen Völker um ein Bildungsideal rangen, stand ein solches inmitten der Juden unverrückbar fest. Jenen Reiz, den die Geschichte der Pädagogik im Allgemeinen uns bietet, indein sie die Versuche uns vorführt, die in verschiedenen Zeiten bei verschiedenen Völkern in der Erziehung und Ausbildung der Menschen gemacht wurden, kann also die der jtidischen nicht gewähren. Allgemeiner Volksunterricht bestand bei den Juden von jeher und war nicht wie bei den Uebrigen eine Segnung neuerer Zeiten. Die Jugend unterrichten zu lassen, war eine religiöse Pflicht, wie denn auch die Religion den unabänderlichen Lehrstoff festgesetzt hatte. Selbst die Art des Unterrrichtes war nicht etwas, was fortwährend ein Schwanken nach den wechselnden Ansichten der Zeiten unterlag, sie war fast bis in die Einzelheiten hinein aus den Zeiten des Talmuds gesetzlich vorgeschrieben und gebräuchlich geworden. So scheint demnach die jüdische Pädagogik des Mittelalters eine stehende sein zu müssen. Und dennoch entbehrt sie der Entwickelung, richtiger der Abwechselung nicht gänzlich. Mit großer Empfänglichkeit des Geistes ausgestattet, haben die Juden, wenn man sie anders nicht zurückstieß, die Wissenschaften der Völker, in deren Mitte sie lebten, rasch sich zu eigen gemacht und weitergefördert. Der