Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1874-01-01 · Heft 2 · p. Seite 72

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
23 (1874)
Issue
Heft 2
Article
Die Anklageartikel gegen den Talmud und ihre Vertheidigung durch Rabbi Jechiel ben Joseph vor Ludwig dem Heiligen in Paris
Date
1874-01-01
Page
Seite 72 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829444-2829447-2867740--15301-2867774
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

72 Die Anklageartikel gegen den Talmud und ihre Bertheidigung Die Blasphemien gegen Jesus, von dem die Juden natürlich nicht mit denselben Worten sprechen konnten, wie Kreuzfahrer, und die Donin tendenziös entstellt hat, indem er zwar die richtigen Stellen citirte, aber giftig falsch übersetzte, diese im Talmud zerstreuten Nachrichten über die Verurtheilung Jesu's, sie werden heute von christlichen Geschichtsforschern mit Lichtern gesucht, und manche durch die Evangelien verdunkelte Stelle itu Leben und Wirken Jesus läßt sich nur mit Hilfe dieser Stellen, die die Censur auch später aus dein Talmud strich, aufklären. Die Blasphemien gegen Gott? Wahrlich, es klingt fast komisch, mittelalterliche Christen, die in der Verkörperung und Vermenschlichung Gottes weit über das von Römern und Griechen Geleistete hinausgingen, zu Gerichte sitzen zu sehen über die Juden, die nie, nie während der zweitausendjährigen Zerstreuung und Bedrückung bei einem körperlichen Gotte Hülfe gesucht hatten. Und selbst wenn es nicht nur Allegorie wäre, wenn der jüdische Gott wirklich dreimal täglich über die Leiden seines Volkes weinte; was that nicht Alles der christliche Gott des katholischen Mittelalters, wogegen dies Weinen ein reines Kinderspiel ist! Daß unter Goy, das Donin jesuitisch ״Christen" übersetzte, nicht diese, sondern die heidnischen Ureinwohner Kanaans ge׳ meint seien, das erklärten die Juden, und diese mußten doch für ihre Gesetzesnormen Autorität sein! Aber war es denn um Wahrheit zu thnn? Kein Vorwand war zu unnatürlich, keine Verläumdung zu albern, um nicht zu dem Schlüsse zn führen ״der Jude muß verbrannt werden."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.