Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Der geschichtliche Inhalt der beiden Psalmen 42 u. 43 und die Zeit ihrer Abfassung
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 557 (sequence 11)
- Language
- German
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und die Zeit ihrer Abfassung. 557 ihn seine Feinde durch die Frage verhöhnen: wo ist dein Gott (42 4. 10). Für ihn, den Leviten, dessen Stamm den judäischen Gottesdienst leitete, war diese Verhöhnung doppelt schmerzlich, markerschütternd (ברצח בעצמותי V. 11). Was mochte nun die Veranlassung zur Verbannung dieses Leviten und gottbegabten Sängers bis in den äußersten Norden des israelitischen Reiches gewesen sein, zu einer Zeit, als das Reich Israel längst in zwei Reiche getheilt gewesen war? Sicher ist, daß der Gefangene sich in dem abgefallenen Reiche Israel befunden habe, da in seiner Gegenwart ungescheut mit Geringschätzung und Hohn von seinem Gotte geredet wurde. Von Seiten eines judäischen Machthabers konnte selbstverständlich die Verbannung nach den! Norden des Reiches Israel, besonders zum dauernden Verbleib in einer befestigten Stadt, nicht verhängt worden sein, und während der frühern Integrität des Reiches unter David und Salomo kann schwerlich eine derartige Verbannung vorgekommen sein, da gemeine wie Staatsverbrecher in herkömmlicher Weise mit dem Tode bestraft wurden. Später befanden sich weder Leviten noch Priester im Reiche Israel, denn unter Jerobeam bereits siedelten sie, wie angegeben, freiwillig in das Reich Juda über. Man kann zwar auch an die Möglichkeit denken, daß der Psalmist zugleich den Beruf eines Propheten in sich gefühlt habe und daß er in Folge seiner in der Hauptstadt des israelitischer Reiches gehaltenen Strafreden und Verkündigungen von Unheil über Körrig und Volk die Einsperrnng in einer befestigten Stadt sich zugezogen habe. Jedoch von einem derartigen Gewaltakt gegen einen Gottesmann, selbst gegen einen solchen, der zugleich Unterthan des Reiches Israel,wie Elias und Elisa u. A. findet sich rrur unter Jojakim eine Mittheilung, dagegen weiß man aus Amos 8. 12, daß eine gewisse, an Ehrfurcht glänzende Scheu die Machthaber ihre Beamten und Würdenträger abgehalten habe, diesem Unheil verkündenden Propheten etwas zu Leide zu thun, und