Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Der geschichtliche Inhalt der beiden Psalmen 42 u. 43 und die Zeit ihrer Abfassung
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 548 (sequence 2)
- Language
- German
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548 Der geschichtliche Inhalt der beiden Psalmen 42 and 43 ihn täglich durch die Frage verspottet habe: ״Wo ist dein Gott (v. I I). Außerdem kann David der Sehnsucht keinen Ausdruck gegeben haben : ״ihn zu geleiten und zu führen nach dem heiligeit Berge und zu deinen Wohnungen (43, 3)", worunter bekanntlich der Tempel verstanden wird, der aber zu seiner Zeit noch nicht bestanden hat. Ebensowenig kann, wie Ewald annimmt, der zuerst in Verbannung geführte König E l j a k i ni, oder, nach Hitzig, ein Priester in heidnischen Händen als Verfasser dieser Cap. bezeichnet werden, weil der Dichter nicht über Unterdrückung von Heiden, über Zerstreuung unter גוים, wie 44, 12, sondern blos darüber klagt, ״daß er trauernd einhergehen muß durch die Drangsal des Feindes (v. 10 und 43, 2) und der außerdem kein Priester, sondern Levite gewesen war, da er bei seiner erhofften Heimkehr nicht durch Bethätigung beim Opfern, sondern durch Harfenspiel Gott zu loben und zu preisen verspricht (ואורך 4 ,43 בכנור). Nächstdem darf nicht außer Acht gelassen, daß der Dichter nach 42. 7, im Lande des Jordan, nahe bei den ״Hermonim" sich befunden, das Ziel aber der Verbannung des Königs E l j a k i m vor gänzlicher Zerstörung des Tempels und das der Priester nach dessen Zerstörung Babylon gewesen war. Auch mit der Ansicht von Paulus kann man sich schwerlich befreunden, daß die beiden Psalmen der Klaggesang eines Priesters sei, der durch die Jerobeamsche Staatsumwälzung behindert wurde, in den Tempel zu kommen und gezwungener Weise ausharren mußte im Ostjordangebiete nahe bei den Hermonien mit seinem Verlangen und Sehnen nach dem heiligen Berge, den Wohnungen des Herrn. Denn nach 2 Ehr. 11, 14. ״verließen die Priester und Leviten ungehindert ihre Wohnsitze und Borplätze und zogen in das Land Juda und nach Jerusalem, denn Jerobeam und seine Söhne verstießen sie und erlaubten ihnen nicht das Priest er amt des Herrn zu verwalten." Die Aus- Wanderung war sonach eine freiwillige und ungehinderte. Im