Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Zur Halachakritik
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 521 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Halachakritik. 521 sind, den ganzen Weg noch einmal zu untersuchen, denselben ganz frei zu machen, um dann vorwärts schreiten zu können; aber die Mühe des nochmaligen Untersuchens in dem schon wegsamen Felsen ist leichter, als sich eine neue Bahn zu machen durch das starre Gestein. Wir stellen dieses Gleichniß unserer Arbeit voran, weil es nach unserer Meinung treffend den Standpunkt bezeichnet, welchen die rechte kritische Behandlung der Mischna und des Talmuds einnehmen muß. Es wäre nicht nur pietätslos, die Werke unserer alten Lehrer, welche dem Commentiren dieser jüdischen Nationalwerke ihr Leben gewidmet und durch welche sie zu ihren Nachkommen reden, bei Seite liegen zu lassen, als unbrauchbar zu verwerfen, — wir würden vielmehr ohne sie den richtigen Weg verfehlen. Viele Schwierigkeiten, auf die sie aufmerksam machen, würden übersehen und die Kritik auf eigene Hand würde willkürlich ausfallen, der es an Glaubwürdigkeit mangelte. Hingegen gibt uns die Beurtheilung der uns überlieferten Erklärungsversuche und der Nachweis von der Unmöglichkeit derselben das Recht, unter Benutzung der von jenen aufgestellten richtigen Gedanken die neueren Hülfsmittel der Kritik in Anwendung zu bringen. Die sich ergebenden Emendationen sind eben mit dem letzten Durchstich des Felsens zu vergleichen, der dem Lichte den Zutritt öffnet. Die eintretende Klarheit und Durchsichtigkeit bildet die Gewähr für die Richtigkeit der Verbesserung, und sie darf auf Objektivität Anspruch machen. Mögen die Einen, die auf jedes geschriebene Wort schwören, die Zumuthung, die Mischna richtiger auffaffen zu wollen als die Gemara, als Maimuni, für Anmaßung erklären, mögen die Anderen in die Subtilitäten des Talmud sich zu vertiefen, für einen überwundenen Standpunkt erklären: weder der Tadel des einen noch der des anderen Extrems wird uns abhalten, in echt jüdischem Geiste unter voller Würdigung und Hochachtung unse-