Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Die Söhne des Herodes
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 462 (sequence 4)
- Language
- German
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462 Die Söhne des Herodes. Rede sein. Nichtsdestoweniger aber mußte eine Regierung, die die Herzen des Volkes nicht besaß, im höchsten Grade einen Mann fürchten, der durch einen Wink, wenn er wollte, Tausende gegen das verhaßte Regiment in Bewegung zu setzen im Stande war. So ist es denn nicht zu verwundern, daß der stets argwöhnische und mißtrauische Tetrarch, um Thron und Leben besorgt, als sich die Taufbewegung in sein Gebiet hinüberzog, sich bewogen fühlte, den Täufer in Fesseln zu legen und auf die Feste Machärus abführen zu lassen, um dadurch der ganzen Erhebung die Spitze abzubrechen. Und in der That verlor die Bewegung durch diese Gewaltthat für den Augenblick ihren Mittelpunkt und vor der Hand für die Regierung des Antipas jede weitere Bedeutung. Allein der persönliche Muth des Täufers war durch die Gefangenschaft keineswegs gebrochen. Mit aller Schärfe sprach er sich, wie es scheint im Gefängniß, bitter tadelnd über das gottvergessene Leben und Treiben des Tetrarchen und namentlich über seine verruchte Ehe mit dem Weibe des Bruders aus, und der Tadel wegen dieser Schandthat ist wahrscheinlich die letzte Veranlassung seiner Hinrichtung gewesen.*) Die christliche Legende aber hat sich dann beeilt, dieses stille Martyrium entsprechend zu verherrlichen. י) Josephus (Aut•. XVIII, 5, 2) spricht mir von politischen Erwägungen, die den Mord veranlaßten. Bezüglich der Angabe der Evangelien (Mrc. 6, 17. Mtth. 14, 3. Luc. 3, 19), nach welcher der Tadel der Herodias-C'he die Verhaftung des Täufers veranlaßt habe, schließe ich mich der Ansicht S ch e n k e l' s (B.-L. III, 323) nnd Hitzig ' s (Gesch. des Volkes Israel II* S. 567) an, die den Widerspruch dahin ausgleichen, daß in den Evangelien die Veranlassung zur Hinrichtung des Täufers mit der Veranlassung seiner Gefangenschung verwechselt worden sei. lieber die nähere Schilderung des Lebensendes bei Marcus und Matthäus s. oben S. 348 ff. — Keim (8. I. II, S. 512) nennt bei Gelegenheit der Hinrichtung des Täufers die Enthauptung einen ״unjüdischen, ja verabscheuten römischen Brauch" und meint in der Anmerkung, mit Berufung auf Winer, daß im alten Testament das Schwert erstechend, nicht enthauptend, ange׳ wandt wurde. Allein die von ihm als Beleg für seine Behauptung citirte