Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 10
- Article
- R. Abraham b. David aus Posquières
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 447 (sequence 2)
- Language
- German
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R. Abraham b. David aus Posquisres. 447 eine Wolke von Discussiouen gehüllt sind, in wenigen Worten in der verständlichsten Weise aus. Ihre Methode ist die der spanischen Schule, welche man im Gegensätze zur tossasistischen Lehrweise, die man als synthetisch bezeichnen kann, die analytische nennen könnte. Die dem Gegenstände zu Grunde liegende Idee wird begrifflich zergliedert, woraus sich das Verständniß des Gegenstandes gewissermaßen von selbst ergiebt.. In allen seinen Commentaren herrscht ein klarer, Heller, Durchdringender Geist. Wir beschränken uns auf eine einzige seiner Erklärungen, die wir als Beispiel wiedergeben. Nach dem Talmud unterscheidet sich ein Sündopfer (חטאת) für ein bestimmtes unvorsätzlich begangenes Vergehen vom Schuldopfer (אשם תלוי) für ein zweifelhaftes Vergehen, wenn nänilich Jemand nicht weiß, ob er Verbotenes oder Erlaubtes genossen hat, dariu, daß jeires Opfer den Werth eines Schekel Silber, dieses aber den doppelten Werth davon haben mußte. Worauf beruht dieser Unterschied, da doch das Umgekehrte stattfinden sollte, indem dort das Vergehen unzweifelhaft, hier aber zweifelhaft ist? Wer nicht einmal weiß, ob er überhaupt eine Sünde begangen hat, sollte doch eines minder ,verthvollen Sühnopfers bedürfen, als wenn er sich seiner Sünde vollkommen bewußt ist. Die Antwort auf diese Frage ist folgende: Wenn dem Sünder seine Sünde klar ins Bewußtsein getreten ist, so ist seine innere Reue tiefer und aufrichtiger, als wenn er sich seiner Sünde nicht klar bewußt ist. Je größer aber die innere Reue ist, worauf es beim Darbringen eines Opfers hauptsächlich ankommt, desto geringer kann der materielle Werth des äußeren Sühnmittels sein.') Die kritische Seite seiner Commentarien tritt besonders in der Untersuchung und Prüfung der verschiedenen von einander ') v. Commentar zu Sifra p. 26.