Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1873-01-01 · Heft 10 · p. Seite 434

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
22 (1873)
Issue
Heft 10
Article
Zur Geschichte der Aufstände der Juden unter Trajan und Hadrian
Date
1873-01-01
Page
Seite 434 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829430-2829441-2867541--15046-2867556
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

434 Zur Geschichte der Aufstände der Juden unter Trajan und Hadrian. Was die Möglichkeit der Beobachtung der levitischen Reinheit auch nach Zerstörung des Tempels betrifft, so leuchtet ein, daß von den Mitteln zur vollen Wiederherstellung verlörener Reinheit die Darbringung eines Opfers, welche von Ausfähigen,') Flüssigen und Wöchnerinnen verlangt wurde, nach dem Jahre 70 zwar nicht mehr auszuführen, aber auch nicht mehr nothwendig war: der zwei niederen Grade der Reinheit (לחולץ ולחחמה) ist auch ein מחוסר כפרה fähig. Dagegen hing die Vornähme von Waschungen und Bädern selbstverständlich gar nicht und die zur Reinigung von der Berührung eines Todten nothwendige Besprengung nur mittelbar von dem Bestand des Tempels ab: so lange es einen vollständig reinen Mann und die rituelle Asche zur Besprengung gab, so lange war diese Reinigung auch ohne Tempel möglich, und eine Aenderung mußte erst mit dem Mangel des nothwendigen Materials eintreten, erst dann machte sich die Zerstörung des Heiligthums fühlbar. Demnach können wir in der Erwägung, daß es bei der Strenge der einschlägigen Gesetzgebung kaum Jemandem möglich gewesen sein dürfte, sich während seines Lebens von טומאה מה ganz frei zu halten, unsere Frage anders fassen: Von wann an gab es keinen vollständig reinen Essäer oder Pharisäer oder Genoffen (הכר) mehr? Von wann an wurden die rituellen Besprengungen mit dem Reinigungswasser nicht mehr vorgenommen, resp. konnten sie nicht mehr vorgenommen werden? Die Frage kann mit ziemlicher Sicherheit beantwortet iverden. Dabei müssen wir davon absehen, daß die beiden Talm u d e über die levitische Reinheit nicht in besonderen Traktaten abhandeln. Schon R. Chanina, zu dessen Zeit (Anfang des 3. Jahrhunderts d. g. Z.) es noch Leute gegeben hat, die!eben Morgen nach essäischer Sitte ein Bad genommen haben,") wußte l) Nach שערי חשוכה Resp. Nr. 176 soll nach der Zerstörung des Tempels die Unreinheit des Aussatzes nicht mehr beachtet werden sein. *) Jer. Berachot 3, 6. (citirt in Frankels introd. p. 87 b),

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.