Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1873-01-01 · Heft 7 · p. Seite 314

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
22 (1873)
Issue
Heft 7
Article
Die Söhne des Herodes
Date
1873-01-01
Page
Seite 314 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829430-2829438-2867358--14907-2867392
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

314 Die Söhne,des Herodes. mehr, und er legte die neue Hauptstadt in reizender Lage am östlichen Ufer des Sees Genezareth (Kinnereth), ganz in der Nähe des wegen seiner heißen Quellen berühmten Ammans an. Trotz der großen Pracht, die er ans diese seine zukünftige Residenz verwandte, wurde es ihn! schwer, Einwohner für dieselbe herbeizuschasfen,weil fromme Juden sich scheuten, hier ihren Wohnsitz zu nehmen wegen der Menschengebeine, auf die man beim Aufbau gestoßen war. Nur Galiläer, die es überhaupt mit der praktischen Religionsübung weniger genau nahmen, siedelten sich gleich in der ersten Zeit freiwillig hier an. Für den Tetrarchen allerdings war ein mosaisches Gesetz kein Grund, sich in seiner Bequemlichkeit stören zu lassen. Er ließ zwangsiveise Bewohner aus seinen übrigen Territorien dorthin transportireu, und als alle Zwangsmittel nichts fruchteten, eröffnete er ein Asyl für Bettler und Leute zweideutiger Herkunft, die bereitwilligst aus allen Weltgegenden herbeiströmten, da ihnen Antipas mit großem Anfwande auf eigene Kosten Häuser erbauen ließ, Aecker unter sie vertheilte und sie noch außerdem mit großen Privilegien und Immunitäten ausstattete. Kurz und gut, die erste Bevölkerung der Hauptstadt enthielt Elemente, die des ausschweifenden Herrschers nicht unwürdig waren. Ebensowenig wie bei der Wahl des Ortes wurde bei dem architektonischen Ausbau der religiöse Sinn des Volkes geschont. Römisch - heidnische Sitten und zugleich das Beispiel seines Vaters nachahmend, ließ er ein Stadium l) einrichten und ein Amphitheater erbauen, ja er ließ sogar an seinem Palaste die Faqade mit Thierfiguren schmücken, eine That, die alle Juden noch in späterer Zeit auf's tiefste erbitterte. .2) Ungeachtet aller dieser Hindernisse und des Unwillens, mit dem die Juden dieses Werk des Tetrarchen verfolgten, gelangte Liberias, woselbst sich die öffentlichen Gebäude des Staates, die .) B. II, 21, 6. ’) Jos. vita 12, vgl. Hausrath S. 294, der die Insurgenten, von denen der Palast in der Revolutionszeit zerstört wurde, sonderbarer Weise ״Rabbinen" nennt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.