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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1873-01-01 · Heft 4 · p. Seite 190

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
22 (1873)
Issue
Heft 4
Article
[Rezension] / -z.
Date
1873-01-01
Page
Seite 190 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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190 Recensionen. nicht umhin zu bemerken, daß wir hier im Grunde nur alte ״Steinische Predigten" zu Gesicht bekamen, die sozusagen״religionsphilosophisch" gefärbt und agadisch-mythologisch zugestutzt, einen neuen Weg ins Leben angetreten. Was der Verfasser von der Verwerthung der reichen, reifen Ergebnisse der Wissenschaft spricht, dürfte sich wohl auf die noch ausstehenden Bände seines Werkes beziehen; in dem ersten Bande, der uns vorliegt, ist von Wissenschaftlichkeit auch nicht eine Spur zu finden, es müßte denn sein, daß man Homiletik und wissenschaftliche Exegese identificirt. Wir wollen mit dem Verfasser nicht darüber rechten, ob die Einheit Gottes aus der Ewigkeit oder diese aus jener zu deduciren ist; denn wenn er nicht einsehen will, daß die Ewigkeit auf dem Begriff der Unveränderlichkeit beruht und daß diese wirkliche Einheit zur Voraussetzung hat, so werden auch wir ihn nicht eines Anderen belehren. Aber wir müssen uns mit Entschiedenheit gegen die Analogien erklären, welche der Verfasser zwischen den menschlichen und göttlichen Eigenschaften entdeckt. Wenn z. B. der Menschengeist durch die beflügelnde Gabe der Einbildungskraft allgegenwärtig ist, so dürfte diese Auffassung die Vorstellung der göttlichen Gegenwart eigenthümlich gestalten. Wir haben auch nichts dagegen, daß der Verfasser den kategorischen Imperativ als den Na t urtri e b zum Guten und als die zuverlässigste Offenbarung Gottes sich zurecht legt, nur möge er nicht wähnen, das Problem der Willensfreiheit durch Hilfe einer exegetischen Zwangsjacke gelöst zu haben. Wir wollen uns nicht erkühnen, dem Verfasser für die letzten Theile seines Werkes Winke zu geben, aber wir müssen ihn doch in seinem wie in unserem Interesse bitten, den Prediger nicht immer wieder hervorzukehren. Salbungsvolle Sätze dürsten wohl in der Synagoge oder im Tempel ihre Wirkung üben, aber zum Lesen eignen sie sich keinesweges. Auch im Allegorisiren könnte der Verfasser etwas vorsichtiger sein und sich mehr Zwang auflegen. Man lese nur folgende Sätze: ״Der Mund bildet gleichsam die hehre Kuppel, das erhabene Gewölbe, die Redestätte des Gotteshauses. — Und wie eine sehnsüchtige Braut steigt die Empfindung aus dem Herzen empor, wie ein liebender Bräutigam steigt der Gedanke aus dem Geiste hernieder und im Heiligthum des Mundes feiern sie ihre Vereinigung vor Gott. — Und zu dieser Vermählung

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