Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Kritische Beleuchtung einer interessanten Talmudstelle
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 181 (sequence 2)
- Language
- German
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Kritische Beleuchtung einer interessanten Talmudstelle. 181 ״Wolltest du die Stammbäume der meisten Jspahanenser Familien untersuchen, du fändest unbedingt als Ahnen entweder einen Weber oder einen Juden.') Diese Sage nun von dem durch vergleichendes Wägen gefundenen Niederlassungsorte kann allein auf jüdischer Ueberlieferung beruhen; denn nur in jüdischen Köpfen konnte solche Anfchauung vom Vorzüge des vaterländischen Bodens erwachsen, und daß sie auch wirklich vorhanden war, beweisen die Lalmudischeu Berichte über R. Chijja und R. Chanina (beide zu Anfang des 3. IHM?) Vielleicht läßt sich noch ein Grund dafür angeben, warum jene Sage an die babylonischen Exulanten anknüpft. In beiden Talmuden bildet den biblischen Beleg für die erzählten Liebesbezeugungen der Amoräer der Vers {ip 102, 15) כי רצו עבדיך את ואח עפרה יחוננו. So wie nun der Talmud seine Erzählungen, r Damit stimmt merkwürdig die Erfahrung des bekannten Aegytologen Brugsch zusammen, welche er vor 12 Jahren in seiner ״Reise nach Persien 1860 und 1861" mittheilte: ״Noch heutigen Tages ist das jüdische Element von Jspahan in ausfallender Weise mehr als in irgend einer der persischen Städte vertreten. Man habe nur die Bazare zu durchwandern, um alle fünf Minuten jüdischen Physiognomien, besonders sehr ärmlich gekleideten Bettlern, am häufigsten jungen Mädchen zu begegnen, welche mehr durch das Elend ihres Zustandes, als durch die flehendlich ausgesprochene Bitten das aufrichtigste Mitleid erregen." (B. II. S. 51. f.) Nur was das Elend betrifft, stimmt damit der Bericht Prof. Petermann's, welcher 1854 reiste, während nach ihm blos 100 jüdische Familien in Jspahan wohnen. Meisen im Orient B. II. S. 244). Derselbe Schriftsteller erwähnt auch ein morgenländisches Sprüchwort, welches für die allbekannte Schlauheit der Jsp. Juden spricht. Es wird von ihnen gesagt, daß sie denTeufel selbst überlistet und in eine Flasche gezwängt haben, (Lb. S. 13.) Daß in alter Zeit Jsp ah an eine bedeutende Judengemeinde war, beweist die Notiz im Reisewerke Binjamin's Tudela: «אסבהאן היא העדה הגדולה רהי עיר המלוכה והיא מהלך י״ב מיל ובה כמו ט״ו אלף מישראל ושם שר שלום הרב שהיה ממונה על יד ראש הגולה ועל כל הכרכים אשר בכל מלכות פרם (Massaoth ed. Leyden S. 96). ף Der Erwähnung werth ist, daß eine andere muslemische Sage sogar den König Salomo mit Jspahan in Verbindung setzt. Er habe der Konigin Balkis (von Saba) angerathen, nach Jspahan zu übersiedeln, weil es derjenige Ort sei, welcher den Veränderungen des Wetters am wenigsten ausgesetzt ist. (Ouscley travels Bd. II, S. 58 f. angeführt bei Ritter, Erdkunde Bd. IX, S. 53).