Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Über den Begriff der Liebe [Rezension]
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 559 (sequence 2)
- Language
- German
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Recensionen. 559 Ürocheuen Zusalunlenhang der verschiedenen Entivickeknirgsiveiseil der Völker uild Zeiten. Da ist es nun natürlich, daß der Gesichtspunkt des Beobachters sich verschiebt sc nach den: Standpunkt, welchen er gegenüber der gegenwärtigen Gestaltung dieser Ideen einnimmt. Dieser Gefahr unterliegen zuweilen auch die sollst unparteiischen uub wahrheitsliebendsten Forscher. Wenn bei der Beautwortlmg wisseilschaftlicher Fragen erst das Herz mitznsprechen allsängt, da ist eilte Trübung des llrtheils durch vorhergefaßte stkeiguugen oder Abneigllngen nur zu leicht erklärlich. Daraus erkennell wir die Ursache, wacnlu Untersuchungen dieser Art, wenn sie auch immer wieder von Nenem aufgenoiilinen werden, ilieist dennoch zu keinem für die Dauer befriedigenden Resultate führen. So ist es denn auch der sich durch Jahrtausende hindurchziehendeil Coirlroverse über beu Gedankeuiuhalt des Judenthums nach seiner eivilisatorischen und ethisch-religiösen Bedeutung ergangen. Nur sehr langsamen Schrittes und imter den heftigsteu Kämpfell bricht sich ein richtigeres und unbefangeneres Urtheil über den Werth uild die Wirkilllg der vorn Judeuthum erzeugten Ideen Bahn. Es ist in der Natur des menschlichen. Wesens begründet, daß der vonr Judeuthum auf die herrschenden Zeitideen geübte Einfluß uni so heftiger bestritten wurde, je tieferund eingreifender die Wirkung der jüdischen A>lschauu>rgen auf die Zeit sich geltend gemacht hatte. Das Gefühl eitler solchen Abhängigkeit widerstrebt schon dem Bewußtsein des Einzelnen, uin wievielmehr dem der Gesammtheit. Diese ivitl durchaus auf eigenen Füßen stehen und die Wurzeln ihrer Kraft nicht in einem Boden findell, von lvelcheiil die geschichtliche Entivickelultg sie tminer lilehr und mehr entfreiildet hat, zu deiil sie in eine gewisse Rivalität getreten ist. Der Widerstand aber gegen die Anerkennung der geschichtlichen Thatsachen konnte sich gerade auf diesem Gebiete länger als auf irgend einem anderen behaupten. Denn da alle diese Streitpunkte sich ihrer Natur nach auf Anschauungen bezieheil, welche bis zu eütent gewissen Grade zu allen Zeiten und bei allen Völkern zum Durchbruch gelangt sind, so war der Willkür des Urtheils der weiteste Spielraum gelassen. Die Gedanken, durch bereit tiefe Erfassung und allseitige Gestaltuilg das Judenthum seinen Rang in der Weltgeschichte behauptet, treffen