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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1872-01-01 · Heft 12 · p. Seite 543

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
21 (1872)
Issue
Heft 12
Article
Salomon Ludwig Steinheim
Date
1872-01-01
Page
Seite 543 (sequence 7)
Language
German
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י Salomon Ludwig Stemhcim. 54?, Manne, der freudig seine Götzen zertrüm liiert -hätte, wenn sie ihm als solche wären erwiesen worden, nicht etwa der Wille, soildern die physische Kraft. Heine sagt einmal, Kant sei ein schlimmerer Nevolutioiiär, als Robespierre gewesen; denn Nobespierre habe nur einem König, Kant aber einem Gotte den Garaus gemacht; und obgleich die Aenßerung etwas blasphemisch klingt, so trifft sie doch, wie so manches Heinesche Witzwort den Kerir der Sache. Kant, der ben ganzen Nationalismus wegfegte, der allen vorhandenen und sogar allen :roch konuneirdeil Beweisen vonr Dasein Gottes und der Unsterblichkeit der Seele, diesen Lieblingskindern des Zeitalters der Aufklärung ein Ende machte, hat eine Revolution hervorgerufen, kaum von geringer intensiver Kraft als die deS Jahres 1789, nur daß diese wieseder geistige Vorgang ruhiger in die Erscheinung trat. Air dem Gotte des Nationalismus wenigstens hat Kant dieselbe Procedur vorgenommen wie Robespierre am König des Fendalisinus. Beide sind unwiederbringlich todt und haben keine Auferstehung zu erwarten. Aber für den Gott der Offenbarung mar dadurch neuer Rairnr gewonnen und biefeti Raum hat Steinheim occnpirt. Er stellte sich die Aufgabe, die Offenbarung als eine exakte Wissenschaft zu zeigen, zu deren Annahme uns die theoretische sowohl, wie die praktische Vernunft durch innere Nöthigung zwingt; im Gegensatz zu Mendelsohn die hergebrachte Anschauung zu rechtfertigen, daß das alte Testament gegeben wordeil ist, nicht einzig und allein ein Gesetz zu offenbaren, sondern den lebendigen Gott, und daß das Gesetz das Untergeordnete, das zweite der Bedeutung nach ist. Er will die Nothwendigkeit der Offenbarung beweisen, indem er ausdrücklich erklärt, die Vernunft, weit entfernt, die Lehrsätze der Ofseiibarnng aus eigenen Mitteln demonstriren zu können, sei sogar völlig außer Stande, sie zu begreifen, denn sie stünden mit den einfachsten Denkgesetzen in striktem Widersprach; aber die Vernunft sei iviederuni gezwungen, diese Lehrsätze aus eigener innerer Nöthiguirg anzuerkennen, die Vernunft werde nicht vom Glauben gewaltthütig gefangen genommen, sondern sie lege sich selbst die Fesseln. Steinheim nennt sein Verfahre» die induktive Methode; wie der Naturforscher das schlechterdings Unbegreifbare dennoch ruhig gelten läßt, wenn er auf dem Wege der Induktion zu solchen undenkbaren aber doch deutlich

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