Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Zur Halachakritik
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 516 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829416-2829428-2866888--14446-2866934- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
516 Zur Halachakritik. Jur Kalachakrilik. Zweiter Artikel. Wie in jedem Literaturkreise die Beantwortung der Fragen der höheren Kritik von dem genauen Verständniß des Einzelnen abhängig ist, so können die Fragen über Entstehung und Zusammenhang der Mischna, Art und Zeit ihrer Abfassung, Fragen, welche seit mehreren Jahrzehnten die hervorragenden Männer der jüdischen Wissenschaft beschäftigen, nur entschieden werden nach eingehender Kenntniß der Mischna. Frankel, der zur Lösung dieser Fragen durch seine grundlegenden Werke Hodegetik und Einleitung in den jerus. Talmud am meisten beigetragen, weil er vor Allen die Materialinassen beherrscht, sprach es aus st daß, um diese Fragen endgültig abzuschließen,, man der Stütze der beiden Talmuds nicht entrathen könne. In der That zeugt Nichts mehr von der llnkenntniß in diesen Dingen, wenn man sich anheischig macht, die Mischna selbstständig ohne zu Hülfenähme der alten Erklärungen erfassen zu können. Ohne diese Führer tappt man im Finstern. Von der andern Seite müssen wir uns von der Befangenheit befreien, nach der jede oder wenigstens die allgemein angenommene Erklärung eines Amora zur Mischna oder eines Tossafisten zur (׳׳ emcn a als unfehlbar gilt, um nach Weise der Pilpulisten alle Geisteskraft aufzuwenden, das Ungerade gerade zu machen. Vielmehr muß es unsere Aufgabe sein, aus den vorhandenen Erklärungen die richtigeil Gedanken herauszuheben und die falschen zu verwerfen. Wir dürfen die Mühe nicht scheuen, das vorhandene Material zu sichten, llnd die brauchbaren zu benutzen, dagegen die Ausgleichurlgen per fas und nefas zu verwerfen. Diesen Standpunkt der Forschung für die talmudische Literatur erobert zu haben, ist eben das bleibende Verdienst der Leistullgen Frankels und der Anregimgeu dieser Monatsschrift. Von diesen Voraussetzungen ausgehend, geben wir in Folgendem eine von allen Commentatoren abweichende Erklärung ') Einleitung zu den Additamenta der Hodegetik.