Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Salomon Ludwig Steinheim
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 514 (sequence 5)
- Language
- German
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514 Salomo«. Ludwig Steinheim. 681 äeu8 in nobi8 »Aitsnto 6sU68oimu8 illo; es ist ein gut Ding, der Enthusiasmus, und wer ihn verläugnet, den hat er nicht durchdrungen, der behandelt ihn als eine Sache, ein Aeußerliches; statt sich von ihm lenken zu lassen, will er umgekehrt ihn lenken, das ist meiner Ueberzeugung nach, das Rechte nicht, ist höchstens das Richtige." So verlangte St., daß man die Fesseln nicht nur von Händen und Füßen, sondern auch vom Haupte nehme. Die Freiheit, Ackerbau und Gewerbe zu betreiben, sei keine Freiheit, sondern nur ein Privilegium mehr, wenn nicht jede höhere geistige Laufbahn den Juden eröffnet würde. Er nennt es die Stufe der Thierheit im Staatsleben, wenn der Stärkere den Schwächer» im Joche hält, wenn die Descendenz, also rein leibliche Processe, Unterschiede int Rechte begründen. Bei solchem Gebühren müsse man dazu kommen, in der Gottheit nicht die sittliche, die geistige, sondern die natürliche, die Zeugungskrast, zu verehren. Es sei leicht, selbst so absolut unsittliche Verhältnisse, wie die Sklaverei in Rechtsformeln zu bringen, aber man muß unterscheiden zwischen den Fragen, was ist Rechtens: und was ist Recht? Denn oft ist das Unrecht Rechtens, die innere Legalität stände zumal in mittelalterlichen Institutionen oft in krassem Gegensatz zu der äußern. Erbadel, Hierarchie, Sklaverei seien die Folgen jener Descendenztheorie, die den Geist im Menschen verkennt. Gerade, weil das Judenthum von Alledem das Gegentheil lehre/weil es nur ein Priestervolk, aber keine Priesterkaste kennt, weil der Abrahamit in jedem Menschen Gottes Ebenbild zu sehen gehalten ist und sonach weder Despot, noch Sklave ist, weil er glaubt, daß der Geist nicht durch Generationsvorgänge sich forterbt, hassen ihn alle die, die den Staat auf historischem Recht, d. h. auf natürlichen leiblichen Gesetzen aufbauen und ein ethifches Staatsprincip nicht anerkennen. Mit kaustischem Witze weist er die süßlichen Worte zurück, mit denen die Gegner das Unrecht schwächen wollen. Wenn z. B. Graf Neoentlow sich gegen den Vorworf des Hasses und der Mißgunst vertheidigt und sagt ״er habe an einem Orte gewohnt, wo viele Juden waren; und habe manchen schätzen gelernt, so erwiedert St. dies freche Complünent mit der Malice, daß auch er an Orten gewohnt habe, wo viele Grasen sich aufhielten, und er habe einige schätzen gelernt.