Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Salomon Ludwig Steinheim
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 512 (sequence 3)
- Language
- German
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512 Salomon Ludwig Steinheim. In einem Sendschreiben an einen Obergerichtsadvokaten Lock, welches er zn Gunsten der Emancipation veröffentlicht hat, sagte er hierüber von sich. ״Der Vers, dieses Sendschreibens ist Mitglied der jüdisch-hochdeutschen Gemeinde Altona'L und praktischer Arzt daselbst. Der Antheil aber, den er an dem bevorstehenden Umschwunge der Legislatur für seine Gemeinde nimmt, ist der einzige Beweggrund, der ihm diese Worte eingiebt. Für seine Person befindet er sich theils in einer Lage, die ihm alle billigen Ansprüche an's Leben und zwar in reicherem Maaße als er es erwartet hat und zu wünschen sich berechtigt hielt, gewahrt, theils in einem Lebensalter, in dem jede Veränderung der Lebensbestimmung, selbst die scheinbar glücklichste ein bedenklich Ereigniß ist. Für ihn selbst also steht — die Ehre des Bürgerthnms ausgenommen — durchaus weder Günstiges, noch Nachtheiliges zu erwerben." Aber weil eben diese Rücksicht aus praktische Vortheile bei ihm gar nicht vorhanden war, haben seine Diatrieben den Vorzug, daß sie kühn und geradezu auf die Wahrheit lossteueru. Es ist vielleicht nicht besonders klug und erinnert an die Sprache des Sokrates, der als Angeklagter statt sich zu vertheidigen. die öffentliche Speisung auf dem Prytanenm fiir sich verlangte, wenn St. im Hinblick auf das Bestreben den Uebertritt zur herrschenden Kirche durch das Angebot weltlicher Vortheile zu fördern, sagt: ״nicht die jüdische Religion müsse verboten werden, sondern ״wenn eine Religion vom Staate ausgeschlossen werden soll, so muß es begreiflicherweise diejenige sein, die dem höchsten und ersten Staatsprincipe widerspricht, die, welche die Sache des Himmels mit der irdischen vermischt und beide vereint, irdische Vortheile auf Ueberzeugungeu und Bekenntnisse sogenannter Wahr- Heiken setzt, die Andersdenkenden verfolgt, verhetzt, verbannt und verbrennt, die Dragonaden und Ketzergerichte instruirt, die Familienbande zerreißt, die lehrt und übt, was der Staat von Grund aus zernichten müßte; die sich nicht scheut, das Himmlreich zum Vorwand irdischer Gewinnsucht zn machen und die dem Geiste dieser Welt statt dem Geiste der jenseitigen dient, mit einem Worte die Herrschende." Er bekennt es offen, daß er gar keine Lust habe, sich dieses letzten Rechtes, das Unrecht zu geißeln, selbst zu berauben.