Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Salomon Ludwig Steinheim
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 511 (sequence 2)
- Language
- German
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Salomon Ludwig Steinhelm. 511 Herzogthümer durfte überhaupt kein Jude wohnen, die Freizügigkeit war in einer fast unerträglichen Weise beschränkt; nicht nur, daß die Inden weder passives, noch aktives Wahlrecht besäßen, nicht nur daß ihnen der Zutritt zu öffentlichen Aemtern völlig verschlossen blieb, auch der Betrieb eines Handwerkes oder eines größern Geschäftes war ihnen zumeist verboten; der Hausirhandel war ihnen anfangs so gut als den übrigen Schleswig-Holsteinern gestattet gewesen; aber da hatte eine hochweise Ständeversammlung entdeckt, daß Hausiren die Bevölkerung demoralisire und darum Beschränkungen verordnet, unbekümmert, daß dadurch den Juden dieser letzte Ausweg ihren Erwerb redlich zu erlangen, versperrt wurde. Solche Zustände sah Steinheim in Altona, und sein Herz regte sich für seine Brüder; nicht gvie Nießer und Börne und unzählige Andere, die in dem Interesse der Gesammtheit zugleich ihr eigenes verfochten, trat Steinheim in die Arena der Kämpfer. Wol wird keiner, der Rießer kennt, die Behauptung wagen, daß es Eigennutz war, der ihm die Feder geführt hat; so berechtigt auch dieser Eigennutz wäre, so wenig dagegen sich sagen läßt, wenn Jemand zuvörderst für sein perönliches Recht eintritt, diesem reinen edelsinnigen Manne war es bei seiner Wirksamkeit um Größeres zu thun, diesem schwebte der Gedanke vor von dem Deutschthum und dem Judenthum — und das erstere hatte in noch höherm Grade seine Liebe als das zweite — die Schande des Mittelalters zu nehmen. Aber vielleicht tritt man seinem Andenken nicht zu nahe mit der Behauptung, daß er an die allgemeine Noth nicht gedacht hätte, wenn ihn nicht durch seine persönlichen Erfahrungen die ganze Härte der Ausschließung zum Bewußtsein gekommen wäre. Er mußte durch unerhörte Unbill in den Kampf gestoßen werden, den er nachher so glänzend und so glücklich geführt hat. Anders Steinheim. Er stand vor seinem fünfzigsten Lebensjahre, als er zürn ersten mal das Wort ergriff für seine gequälten Glaubensgenoffen; er hatte in seinem Berufe reichen Erfolg und Anerkennnng erlangt: die Gleichstellung konnte ihm keine Vortheile bringen; nicht Unbill, die er selbst erfahren, sondern einzig das Mitleid mit dem Lose seiner Brüder hat sein beleidigtes Rechtsgefühl geweckt, daß er die scharfen Pfeile seiner Rede gegen die Unterdrücker zielte.