Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 8
- Article
- [Rezension] / Zuckermann
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 379 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
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Recenswnen. 379 gleichsam eine Runenschrift; und wenn mir sie zu lesen verstehen, so berichtet sie über Kultur und Religion längst entschwundener Tage. In Zeiten, in denen der Mensch noch nachbarlich mit seinem Acker wohnte, war der Wechsel des Mondsund der Iahreszeiten ein Gegenstand der Beobachtung für jeden Landmann und da es noch keine Astronomen und Kalendermacher gab, so mar jeder auf sich selbst angewiesen. Welchen Weg mußte die Wissenschaft durchlaufen von diesen Uranfängen bis zu ihrer heutigen Ausbildung. Diesen Weg können wir vielleicht bei keinem Volke so gut, als bei dem jüdischen verfolgen. Der Kalender, als die Basis des öffentlichen Gottesdienstes, ist eine stete Sorge aller Geschlechter von Moses bis auf unsere Zeit gewesen. Es giebt nur wenig hebräische Werke, sowohl theoretisch-halachischen als auch praktisch-rituellen Inhalts, die nicht der jüdischeu Chronologie, speciell dem jüdischen Kalender einige Seiten widmeten. Dennoch ist die Kenntuiß von den Gesetzen seines Entstehens, von seiner astrononlischen Berechtigung nackt und dürftig. Denn einen Gegenstand besprechen und einen Gegenstand verstehen sind im Grunde zwei Dinge, die gewöhnlich nicht in so engem Zusammenhangs stehen, als es von Rechtswegen sein sollte. Dies hat zumal beim Kalender seinen guten Grund. Unsere religiöse Praxis ruht auf ihm, deswegen ist er nicht zu übergehen; aber um ihn zu verstehen, bedarf es astronomischer Kenntuisse, und universelle Geister wie Mainronides sind auf jeden: Gebiete der Wissenschaft selten. Die Thalsache allein, daß ein von Allen in der Praxis gebrauchter und nur von Wenigen verstandeuer Gegenstand von so vielen Seiten besprochen wird, giebt einen Hinweis auf die geschichtliche Bedeutung desselben, wie auch der Herr Verfasser (S. 5) richtig bemerkt: ״Nichts ist mehr dazu angethan, uns Einblick in das Geistesleben eines Volkes zu gewähren, als seine Zeitrechnung, so sie nur nicht von auswärts hergenommen ist." Es gehört daher zu den Aufgaben der Wissenschaft, den jüdischen Kalender wissenschaftlich zu untersuchen, um sich ein Urtheil tiber die geistige Entivickelung des jüdischen Volkes zu bilden. Deshalb ist es gut, das Kalenderwesen aus dem Zusammenhang der Ritualwerke loszulösen und zum Objekt einer selbstständigen Monographie zu machen. Wohl von diesem Gedanken geleitet und in Anbetracht, daß dieses Thema