Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Salomon Ludwig Steinheim
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 356 (sequence 10)
- Language
- German
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356 Salomon Ludwig Stein heim. als daß dahin sich alles wissenschaftliche Streben richtete, die Juden das Bewußtsein ihrer selbst zu geben, indem man die Gegenwart an die Vergangenheit knüpft! so lange sie im Drucke lebten, sorgte der Feind dafür, daß das Gefühl der Zusammengehörigkeit nicht schivand, aber sobald ihr die Theilnahme an der allgemeinen Kultur gestattet wurde, ivar es ein Gebot der Selbsterhaltung für die Judenhcit, geschichtliche Studien zu pflegen und in dem Bewußtsein einer gemeinsamen großen Vergangenheit ein Band für den zerstreuten Stamm zu schaffen, und außerdem war es ein lebhaftes Bedürfniß Vieler, die auf dem weiten Gebiete der nachbiblischen jüdischen Literatur sich heimisch wußten, in dieses Gebiet die Kanäle der modernen Wissenschaft zu leiten, um diese Literatur, die gleichfalls iur Ghettoleben geführt hatte, aus den engen jüdischen Kreisen in die großen und weiten der gelehrten Welt einzuführen. Selbst die religionsphilosophischen Studien nahmen zumeist einen historischen Charakter an; mau schilderte, wie früher die Meister in Israel über die Probleme der Religion gedacht hatten, znnr Theil unc die eigenen freien Ideen zu legitimiren, Hauptsächlich aber zu dem Nachweise, daß das Judenthum Wissenschaftlich bessere und freiere Zustände gesehen hatte, als am Ende des vorigen Jahrhunders sich zeigten. Für das Studium selbststäudiger religionsphilosophischer Systeme war um so weniger Neigung, als gerade für dieses Gebiet die Alten ergiebig gesorgt hatten. Das Volk wollte erst zu sich selbst kommen, von sich etwas wissen, bevor es wieder zum Fluge in den Aether philosophischer Betrachtung sich anschickte; irud zumal gerade als Steinheim auftrat, war man in Deutschland überhaupt nrüde geworden, der philosophischen Hetzjagd; da die Systeme wie die Pilze aufschossen, da eins das andere jagte, sich marktschreierisch als unfehlbare Wahrheit ausgab, gläubige Adepten gewann, um nach wenigen Jahren wie eine veraltete Mode froh in einige entlegene Winkel des Landes zu flüchten, so verlor sich allgemach der Geschmack au der Philosophie in Deutschland, und es ist bekannt, daß dieser Widerwille in den letzten Jahren wol zu weichere begonnen hat, aber keineswegs noch ganz überwunden ist. Steinheims schriftstellerische Thätigkeit fällt nun gerade in diese Zeit der Reaktion, wo der Degout an der Philosophie