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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1872-01-01 · Heft 7 · p. Seite 327

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
21 (1872)
Issue
Heft 7
Article
Der Fettmilchische Aufstand in Frankfurt 1612-1616
Date
1872-01-01
Page
Seite 327 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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Der Fettinilchische Aufstand in Frankfurt 1612—1616. 327 vom 28. Februar 1616 verlesen, durch welches der Bürgerschaft nachdrücklich geboten ward, innerhalb zweier Monate nachzuweisen, daß sie dem Befehle des Kaisers nachgekommen sei, sowie durch die Quartiermstr. bei einen: jeden Bürger die schriftliche Erklärung seines schuldigen Gehorsams einholen zu lassen. Nach Verlesung beider Erlasse zogen Soldaten, an deren Spitze ein Mainzischer Oberst stand, vor das Galgenthor und führten die Juden, in Reihen von je 6 bis 7 unter Trommelschlag durch die Galgengasse, am Schassot vorbei über die Zeit bis zun: Eingang der Judengasse. Der Sage nach gab einer der zurückkehrenden Juden, Oppenheimer, seiner großen Freude dadurch Ausdruck, daß er den vorangehenden Trommler um die Erlaubniß bat, eine Strecke weit die Trommel schlagen Zu dürfen, dies soll ihm auch gestattet worden sein und er davon den Beinamen ״Trumm" erhalten haben (das letzte Glied dieser Familie starb 1834). Am Haupteingang der Judengasse hielt der Zug an, und der ihn führende Oberst übergab die Inden einem dastehenden Beamten des Raths. Der Oberst soll sich dabei den Scherz erlaubt haben, dies mit den Worten zu thun: ״Hier bringe ich die Schelme wieder" und jener Beamte, der eine feierliche Anrede erwartet und eine ihr entsprechende Antwort ausgedacht hatte, soll dadurch so außer Fassung gebracht worden sein, daß er nichts zu erwiedern vermochte. Hierauf wurden die mitgebrachten Reichsadler an die drei Thore der Judengasse angeschlagen, dann wurde die neue Stättigkeit verlesen, die sich dadurch von der alten unterschied, daß der früher blos auf drei Jahre gewährte Schutz in einen: fortwährenden umgeändert wurde, hierauf kehrte jeder in seine Wohnung zurück. Zum Andenken an die erlittenen Leiden wurde alljährlich den 26. Februar gefastet und der Tag darauf als Purim gefeiert. Das Gedicht von Helen Wertheimer ist bei Schndt abgedruckt; es heißt das Vinz- Hans-Lied, weil man de!: Namen Vincenz als ein aus zwei Vornamen Vincentius und Henz oder Hans bestehender ansah, gerade wie in demselben Gedicht der Nan:e Conrad Gerngroß in Gern Hans Groß umgewandelt worden ist. Unter den bei der Plünderung geraubten Büchern befand sich auch das Protokollbuch der Gemeinde, das glücklicher Weise von einem Inden gekauft wurde. Er schrieb solches wie folgt ins Buch hinein. החדש חשון בפי ואקחה פח לחם כשנת שהיינו מגורש מבית הררינו ונע ונד ומפורר בין העמים בגלותינו בע״ה בא אלי האיש הכליעל הנקרא בשם כנוי בפי כל לנג האן והראה לי זה הספר ששייך כאן לקהלה קדישא

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