Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Das Sündenregister in Ewald's hebräischer Grammatik
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 316 (sequence 1)
- Language
- German
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316 Das Sündenregister in Ewald's hebräischer Grammatik. Aas Sündenregister in Lwal'ds hebräischer Grammatik. Cnrlyle hat eben so geistvoll wie wahr nachgewiesen, wie der Heldeucultus tief in der inenschlichen Seele begründet ist und den Fortschritt in der Civilisation fördert. Was der Herancultus ans dem Gebiete der Thatsachen ist, das ist der Antoritätsglaube auf dem Gebiete der Wissenschaft. Auch dieser hat eine psychologische Basis und trägt zur Förderung der Wissenschaft bei. Nicht bloß die historischen Fächer, Geschichte, Linguistik, Philosophie und zumal die Theologie haben ihren Ausgangspunkt und ihr Wachsthum einer letzt entscheidenden Autorität zu verdanken, um die sich ein Kreis von lauschenden Adepten schaart, der mehr oder weniger in verba magistri schwört, sondern auch die exakten Wissenschaften, so weit ihre Lehrsätze sich nicht ad oculos demonstriren lassen, beruhen zum Theil wenigstens auf einem avrdc aya. In den Naturwissenschaften, der Astronomie und in der Medicin fpridjt man von veralteten Systemen, die jetzt nur noch in der Geschichte figuriren, aber p ihrer Zeit auf Grund einer tonangebenden Autorität ihre allgemeine Geltung hatten nnd als unfehlbare Wahrheit angesehen worden. Hinterher komint die Kritik, entkleidet die Heroen ihrer Strahlenkrone und zerfasert die Unfehlbarkeit der Autorität. Daraus beruht eben der Fortschritt in der Geschichte und im Gesammtwissen. In der hebräischen Grammatik genießt gegenwärtig Ewald's ״ausführliches Lehrbuch der hebräischen Sprache des alten Bundes" eine bedeutende Autorität; sie hat bereits acht Auflagen oder Ausgaben erlebt (1870 die letzte). Selbst diejenigen Hebraisten, welche Ewald's exegetische Theorie veriverfen und seine Geschichte des Volkes Israel als Phantasiegebilde verächtlich behandeln, berufen sich auch auf sein Lehrbuch der hebräischen Sprache, nicht weil es überzeugende Wahrheit enthält, sondern weil es Bedürfniß ist, sich an eine Autorität anzulehnen. Sein Ansehen beritht darauf, daß es das vorangegangene auf Gesenius' Autorität