Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 5
- Article
- R. Juda ha-Nasi's Antheil an unserer Mischnah
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 235 (sequence 18)
- Language
- German
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R. Juda Ha-Nasi's Antheil an unserer Mischnah. 235 stinmrungen weiter überlieferten. Da nun bei dieser Feststellung, außer etwa der wohl Einfluß übenden aber nicht bindenden allgemein herrschenden Ansicht, sonst kein apriorisches Kriterium bestand, so leuchtet es ein, daß die Tannakten nur ihre eigene Ueberzengung als die höchste Autorität kannten. Hieraus folgt nun unmittelbar, daß der Halachahstoff, mit Ausnahme jener relativ sehr wenigen uralten Bestimmungen, durch die ganze Tannaimperiode hin sich im fortwährenden Flusse erhalten hat. Bei einen׳, solchen Zustande kann also weder von einem trockenen Referiren noch von einem unselbstständigen Folgen die Rede sein. Mit diesen Thatsachen steht demnach die Annahme im größten Widerspruch, daß Tannakten in ihren Vorträgen oder Mischnahsammlungen, wenn überhaupt ein solches Auseinanderhalten möglich wäre, sich auf Registrirung beschränkt haben. Hieraus ergiebt sich weiter mit Nothwendigkeit, daß auch die ältesten Halachahdifferenzen jedesmal sich einer rücksichtslosen Prüfung gefallen lassen mußten. Gilt dies nun ini Bezug auf sämmtliche Tannakten, soist wohl eiuverstandenermaßen kein Grund vorhanden, bei Rabbi ein anderes Verfahren vorauszusetzen. Es kann daher kein Zweifel obwalten, daß N. Juda Hanasi nicht nur die sehr späten, sondern auch die frühesten, also sämmtliche Halachoth vor ihrer Aufnahme in die Mischnahsammlung einer selbstständigen Revision unterworfen hat. Freilich wird auch diese Regel ihre Ausnahme haben; gewiß gab es auch Differenzen, bei denen Rabbi nicht zu einem festen Entschlüsse kommen konnte; dies ändert aber an der Sache selbst nichts.