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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1872-01-01 · Heft 5 · p. Seite 205

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
21 (1872)
Issue
Heft 5
Article
Ursprung der zwei Verläumdungen gegen das Judenthum vom Eselskultus und von der Lieblosigkeit gegen Andersgläubige
Date
1872-01-01
Page
Seite 205 (sequence 13)
Language
German
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Eselskultus und von der Lieblosigkeit gegen Andersgläubige. 205 Antiochus nicht ein Philanthrop, etwa wie Joseph II. von Oesterreich, ihm lag gar nichts an der Cultivirung oder Civilisiruirg der Juden. Nicht aus Menschenliebe wollte er die nach seiner Beurtheilung nienschenfeindlichen Gesetze der Juden beseitigt wissen, sondern weil er dadurch sein Staatsinteresse zu fördern glaubte. Es niuß ihm demnach insinuirt worden sein, daß dieses Interesse durch die vom jüdischen Gesetze vorgeschriebene Absonderung gefährdet sei. Dieselbe Anklage, welche später der illegitime Hohepriester Alkimos gegen Juda Makkabi vorgebracht hat, daß dieser an der Spitze der F ro m nt e n, der Asidüer stets Krieg und Aufruhr gegen das syrische Reich nähren würde/) hat ohne Zweifel Menelaos gegen die fromme Partei geltend gemacht. Nothwendiger Weise muß inan also annehmeu, daß die tobiadische Rotte erst auf diese Gefahr aufmerksam gemacht hat, daß sie es also war, welche als Anklägerin gegen das Judenthum vor Antiochus auftrat, daß sie es als menschenfeindlich schilderte und zwar weil es verbietet, heidnische Speisen zu genießen und griechische Mädchen heimzuführen, — denn darauf basirt doch eigentlich die ganze Anklage. Die Braudmarkung des Judenthmns als menschenfeindlich ging demnach von Juden aus und zwar von dem verworfenen Menelaos und den Tobiaden, und Antiochus Epiphanes hat sie nur gierig aufgegriffen und ihr Verbreitung gegeben, weil es seinem Interesse zusagte und seinen tyrannischen Religionszwang rechtsertigte. Das, was die jüdischen Hellenisten vor mehr denn zwei Jahrtausenden aus blindenr Hasse unb fleischlichen Gelüsten gegen das Judenthum geltend gemacht haben, wurde als Thatsache angesehen und wirkt noch heute zum Theil nach. ') II. Makkabäerb. 14, 6: rrqdg tavta s'(ptj C'AXxtfxog); Ot?.syöftavoi t5>v ,IaöaZwv *AaiäaZoi, wv a^yjysZrai *Isäag 6 MaxxaßaZoc, noXsj10Tqo<f«G1, xai (fm<sta£p<nv, ovx smvreg Tqv ßcun- Xetav evßraüetag wyaZv. Wenn die Worte, wie sie im zweiten Makkabäerbnche angeführt sind, nicht diplomatisch acht sein mögen, so ist der Gedanke doch vollständig situationsgemäß.

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