Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 4
- Article
- R. Juda ha-Nasi's Antheil an unserer Mischnah
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 2)
- Language
- German
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162 R. Juda Ha-Nast's Antheil an unserer Mischnah. seines Lehrers N. Akiba in die Mischnah ausgenommen. Weiter aber ging auch er nicht. N. Juda Hauasi hingegen sammelte nicht nur, wie seine Vorgänger, die Halachoth des ihiu vorangehenden Geschlechtes, sondern auch die seiner Zeitgenossen, ja selbst viele von den älteren Geschlechtern, die sowohl von N. Akiba als R. Meir, ans irgend welchen Gründen, bei der Aufnahme miberücksichtigt geblieben waren. Schon burdj diesen Umstand allein kann der Antheil, den Rabbi an der Mischnah hat, viel bedeutender als der des 9t. Me>r genannt werden. Seine Leistungen nach dieser Seite hin stehen im gewisseil Sinne mit d eilen des R. Akiba auf gleicher Linie. Hiermit aber begnügte sich Rabbi nicht. Er that einen Schritt, der seine beiden Vorgänger weit hinter ihm zurückgeblieben erscheinen läßt. Demr er habe m die Mischnah ein ganz neues Element gebracht. Seine Vorgänger hatten sich nämlich mit der Rolle des 3teferenten zufrieden gestellt. Sie waren einzig und allein voll deul Streben geleitet, dllrch die Anlage einer geordneten, ubersichtlicüen und sorgfältig redigirten Sammlung die Pflege der Halachah von den vorhandenen Uebelständen zu befreien. Sie nahmen daher aus dem vorräthigen Halachahschatze für die Aufnahme in die neue Sammlung die wichtigsten Bestandtheile heraus, ohne zu berücksichtigen, ob dieselben, allgemein gültige sowohl als streitige Halachoth, mit ihren eigenen individuellen Ansichten übereinstimmten oder nicht. 9hm hatte Rabbi beim Sammeln feiner Zusätze allerdings ein gleiches, wenn auch etwas weiter gestecktes Ziel. Und in sofern füllte er die Lucke aus, bie Jene, entweder mit Vorbedacht unb freiwillig, oder nothgedrungen gelassen hatten. Er verband aber mit diesem Ziele noch ein anderes. Auch die Regelung der religiösen Praxis £jatte er dabei im Auge. Diese Seite sollte in den Zusätzen so viel als thuulich berücksichtigt werden. Dem entsprechend nahm er auch die in seiner Zeit hinzugekommenen Halachoth in die Sannnlung auf, jedoch nicht in objektiver Haltung, wie es bisher und auch von ihm beim Nachtragen der älteren Halachoth geschehen, sondern als feste 9lormen, die er, in Gemeinschaft mit zeitgenössischen Autoritäten, nach sorgfältiger Prüfung festgestellt hatte. Dies ist die objektive Auseinandersetzung der in der eben erwähnten Antwort entwickelten Ansicht. *) ') Frankel, Darke Ham. x. 214. Wir glauben den daselbst entwickel-