Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Prophet Jeremia in Rama
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 2)
- Language
- German
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66 Der Prophet Jeremia in Rama. unter ihnen, ehe er zu Gedaljah kam. Diese Zwischenzeit wird sich zwar nicht ganz bestimmt präcisiren lassen, aber es wird sich zeigen, daß der Zustand der Ungewißheit von einiger Dauer gewesen sein muß. In dein Eingangs citirten Stücke ist besonders hervorgehoben, daß Nebusaradan dem Propheten in Nama die Fesseln gelöst, ihm zwar freigestellt hat, sich beliebig einen Aufenthaltsort zu wählen, aber ihm doch rieth, bei Gedaljah zu bleiben (40, 4—6). Schon in dem Umstande, daß der Erzähler es der Mühe rverth hielt, die Localität Rama zu nennen, deutet an, daß sie in der Erzählung der Thatsachen nicht ganz gleichgültig ist. Es ist auch nicht anzunehmen, daß Jeremia der einzige unter den Gefangenen gewesen sei, denen Nebusaradan die Freiheit gewährt hat. Wenigstens muß sie auch der treue Jünger Baruch erhalten haben; denn in derselben Erzählung ist angegeben, daß dieser in Jeremia's Nähe war und mit ihm nach wie vor vertraulich verkehrte (43,3; 6). Wir sind daher genöthigt anzunehmen, daß nüt Jeremia auch andere Gefangene die Erlaubniß erhielten, im Lande zu bleiben, vielleicht mit der Bedingung, sich dem Statthalter anzuschließen. Nun erzählt zwar unsere Quelle hintereinander, daß Nebusaradan dem Propheten Reiseproviant und Geschenke (ארחה ומשאת) gegeben, und daß der Letztere sich zu Gedaljah begeben habe (40, 5—6). Aber nichts zwingt uns zur Annahme, daß diese Facta so schnell hintereinander erfolgt seien. Hat doch der babylonische Feldherr Jeremia sreigestellt, zu Gedaljah oder auch anderswohin zu gehen. Er muß ihm demgemäß Zeit gelasseil haben, sich zu überlegen und einen Entschluß zu fassen, oder richtiger sich mit seinen Freunden, namentlich mit Baruch zu berathen, welchen Entschluß er fassen sollte; denn so ganz harmlos war weder der Rath, den ihm Nebusaradan gegeben hat, lloch die Wahl des Aufenthaltes. Sich zu Gedaljah begeben, hieß sich den Chaldäern eng anschließen, um ihre Ziele fördern zu helfen. Nun stand der Prophet noch vor der Belagerung Jerusalems und noch mehr während derselben in Verdacht, daß er es heimlich mit den Chaldäern hielte, daß er aus Parteinahme für dieselben wiederh olentlich ermahnte, sich ihn eil zu unterwerfen, daß er die Krieger durch seine nnpatriotische Rede>l entmuthigte. Der Anschluß Jeremia's au Gedaljah und an die Chaldäer würde also