Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 11
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 516 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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510 Recensionen. prunken. Welche Gelehrsamkeit wird nicht in Ungarn jetzt aufgewirbelt bei der Debatte über die beiden Fragen: haben die Juden Dogmen? haben die Juden eine Geistlichkeit? Wer diese Fragen mit nein beantwortet, meint natürlich nur, mir haben weder Dogmen, noch Geistlichkeit in dem Sinne, wie beides in der christlichen Kirche vorhanden ist. Wer in einem Zeitalter lebt, das die Wirren des vatikanischen Concils so mächtig nmbrausen, sollte doch wahrlich auch ohne große Gelehrsamkeit ein ״Dogma" von einer Grundlehre zu unterscheiden wissen. Löw hat ja Recht (und sein Gegner geht unseres Erachtens in der Bekämpfung dieses Punktes zu weit), daß Maimonides das Judenthum mit einer Dogmatik beschenken wollte; aber feine Glaubensgenossen haben) dies Geschenk mit Protest zurückgewiesen, man hat in der Auffassung einzelner Grundwahrheiteil niemand beschränkt; eine von allen anerkauilte Fixirung derselbeii hat niemals stattgesunden; eine Glaubensgenossenschaft, in welcher darüber debattirt wirb, ob alle Seelen unsterblich seien oder nur die Gott erkenneuden, ob die Welt von Ewigkeit her existire oder nicht, ob die Materie iu Gott sei, ob eine inessianische Zeit überhaupt zu erwarten sei, und selbst wenn diese Frage bejaht würde, ob diese Zeit.'mehr bieten würde als eine Emancipation der Jiideu von dem Joche der Knechtschaft, eine Giaubensgenossenschast, in welcher alle diese Fragen eine verschiedene Erledigung stnden konnten, ohne daruni Pie Träger und Vertheidiger dieser verschiedenen Meinungen in Sekten zu trennen, in welcher sogar der fast spinozistische Naturalisnius eines David Nieto zivar augefachten, aber von einer Autorität wie Chacham Zebi in Schutz genommen wirb, hat keine Dogmen, keine fixirten und in dieser Fixirung allgemein angenommene Glaribenslehreii. Das Indenthum hat einen Lehriuhalt, aber keine Dogmatik; mit der Dogmenlosigkeit des Judenthums ist nicht gesagt, daß Jemaiid zugleich Atheist und Jude sein könne, sondern nur daß jeder seinen Gott sich beliebig ausgestalten könne. Diese Airsicht von den Dogmen läßt sich, wie der Kundige weiß, durch eine große Anzahl Stellen aus den talmudischen Schriften belegen und wird unter den modernen Theologen nur von Herrn Löw bekämpft. Die als Nr. 1 angeführte Schrift, welche seltsarn genug an einen christlichen Verleger adressirt ist, hebt die Schwäche der Löiv'schen De-