Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Veranlassung, Zweck und Entwickelung der halachischen und halachisch-exegetischen Sammlungen während der Tannaimperiode
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 423 (sequence 8)
- Language
- German
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halachisch-exegetischen Sammlungen während der Tannaimperiode. 423 er aus den Talnmddiskussionen bte Hauptmomente herausnahm und die aus ihnen gebildeten Rahmen in größtentheils derselben Reihenfolge, die der Talmud darbot, zu einein Ganzen vereinigte. Alfasi verlor bei diesem Werke zwar die Praxis nicht aus dem Auge. Dies bezeugt ja die von ihm getroffene Auswahl unter den Talmudpartien. In Wirklichkeit aber konnte er, eben weil noch ganz in die Quellen versunken, nach dieser Seite hin seine Absicht nicht realisiren. Von der Unzulänglichkeit des Alfasi'schen Werkes durchdrungen, that Maimuni einen großen Schritt weiter. Nicht nur bearbeitete er das ganze Quellenmaterial, sondern er goß dasselbe völlig in eine neue Form um. Erwägt man dabei die kategorische Gesetzesform, die er seinem Produkte gab, so begreift man eben so gut, wie er endlich das so lange gefühlte Bedürfniß vollends befriedigte, als wie er in seinem Werke jede Spur von der ursprünglichen Quellenbeschaffenheit verwischte. Aber eben darum machte Maimuni das Werk seines Vorgängers nicht entbehrlich. Im Gegentheil, beide Arbeiten ergänzen sich gegenseitig. Befriedigte Maimon vollkommen das praktische Bedürfniß in einer meisterhaften Weise, so füllen die Alfasi'schen Leistungen die gewaltige Lücke aus, die Maimuni für diejenige theoretische Richtung ließ, der nicht nur nicht codificatorische Kenntniß, sondern auch das Versenken in Partielles nicht genügt, und die nur ein Gesammtüberblick über die Werkstätte, aus der das praktische Regulativ hervorgeht, befriedigt. So schließen beide Geistesprodnkte die mehrere Jahrhunderte dauernde zweite Entwickelungsperiode ab. Sehen wir nun, in wie fern die Motive und der Entwickelungsgang, die den Geistesprozeß des zweiten tanaitischen Zeitabschnittes kennzeichnen, den eben auseinandergesetzteu entsprechen. (Fortsetzung folgt.)