Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Veranlassung, Zweck und Entwickelung der halachischen und halachisch-exegetischen Sammlungen während der Tannaimperiode
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 370 (sequence 8)
- Language
- German
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370 Noten zum obigen Artikel. Hauptungen rechtfertigt diese Ausnahme. Doch wird wohl eine relativ sehr gedrängte Auseinandersetzung genügen. Eure Vereinigung beider Punkte, nämlich der die Talmuddiskussionen urrd Maimuni betreffenden Behauptungen, erscheint als das geeignete drittel, auf dem kürzesten Wege das gedachte Ziel zu erreichen. Der Nachweis wird die im Texte gegebene Reihenfolge der betreffenden Talmudstellen beobachten. s. Makkoth 15 s — 16 d. Die Frage הניחא למ״ד בטלו ולא בטלו וכד im ersten Stücke der Diskussion Fol. 15s bezieht sich ebenso, wie die הגיחא לסייר קימו ולא קימו וכס inr zweiten Stücke der Diskussion Fol. 16 s, auf die Beraitho אונס שגירש וכס, resp. deren letzte Worte אם ישראל הוא מחויר ואינו לוקה. Denn, dem Wortsinne gemäß bedeutet unbedingt ״ : כסלו ולא כסלוDurch thätliches Eingreifen die Umrröglichkeit bewirken," und ״ : קיטו ולא קיטוdurch passives Verhalten es versäumt haben, das betreffende Vergehen ungeschehen zu machen." Nun kann bei אונס שגירש, wenn dieser kein Ahrottide ist, thätliches Eingreifen auf die Bestrafung des übertretenen Verbotes: לא יוכל לשלחה keinen Einfluß haben, vgl. ibld. Fol. 16 a אי דקטלה וכס. Die letzten Boraithoworte סחויר ואינו לוקה lassen womöglich eine zweifache Auffassung zu; nämlich 1.: ״auf dem betreffenden Subjecte ruht nur die Pflicht, sie zurückzunehmen, die Geißelung kommt aber nie in Anwendung", und 2.: ״er müsse sie zurücknehmen und (so lange dies möglich ist) erleidet keine Geißelstrafe". In der Emoraschule, aus der das erste Diskussionsstück stammt, galt die erste Ausfassimg als die richtige; daher auch die Frage הניהא לסייר כסלו וכס. In der Emeraschule aber, aus der das zweite Stück herrührt, faßte man nothwendig und richtig die gedachten Worte int letzteren Sinne auf. Ntothwendig und richtig; weil der authentisch von R. Jochanan aufgestellte Parallelisutus zwischett סחויר ואינו לוקה und משלח ואינו לוקה (ibid•) keinen andern Sinn zuläßt. Denn, rücksichllich des שלוח הקן scheint kein ^Zweifel darüber geherrscht zu haben, daß die Geißelung auch dann in Anwendung kontme, wenn ein natürlicher Tod das Wegschicken unmöglich gentacht. Außerdent entspricht die zweite Auffassung tttehr dem Wortsinne und der gewöhnlichen Mischnahconstrttktion. Diese unsere Darstellung befindet sich allerdings im Widerspruche mit Naschi, der in קימו ולא קיסו und בטלו ולא בטלו etwas Anderes sieht. Gerade die zwar tiefe unb scharfsinnige aber unnatürliche Auffassung Raschi's brachte ihn vielfach in Verlegenheit. So verbindet er,