Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Veranlassung, Zweck und Entwickelung der halachischen und halachisch-exegetischen Sammlungen während der Tannaimperiode
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 313 (sequence 1)
- Language
- German
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Veranlassung, Zweck und Entwickelung der halachischen und 313 Veranlassung, Zweck und Lntwickel'ung der halachischen und halachisch-eregelischen Sammlungen während der Hannaimperiode im Umrisse dargestellt. Zweiter Artikel. Die geschichtliche Periode, in der sich ein Geistesprozeß vollzogen hat, der dem unserer Periode so ähnlich ist, ist, der Fachmann erräth es sogleich, die der Emoraim. Die Charakterähnlichkeit der literarischen Produkte beider Perioden ist so groß, daß selbst die einzelnen Abnormitäten, denen man in den: Schriftthum der einen begegnet, sich auch in dem der anderen wiederholen. Um uns hier auf ein einziges, aber bezeichnendes Beispiel zu beschränken. Die Verschiedenheit in der Namenangabe von Autoren und Ueberlieferern gewisser Satzungen, die dem Forscher in der Zeit der Tannaim entgegentritt, kommt auch, natürlich noch häufiger, weil nämlich der erhaltene Stoff reichhaltiger, in der Emoraimperiode vor. Kein Wunder. Sind ja die Aufgaben und Geistesthätigkeit dieser Periode im Großen und Ganzen nicht anders, als eine treue Fortsetzung der Geistesarbeit und des Strebens der vorhergehenden. Man braucht nur einen vergleichenden Blick einerseits auf die talmudischen Diskussionen und anderseits auf die tannaitischen, die in der Boraitoth, wenn gleich nur in fragmentarischer Gestalt aufbewahrt sind, zu werfen, um sich vollkommen zu überzeugen, daß beide Gruppen, was Form und Methode betrifft, sich nicht im mindesten von einander unterscheiden. Freilich bemerkt man in der Emoraimliteratnr zwei wesentliche Momente, die das ausschließliche Eigenthum dieser letzten sind. Während bei den Tannaim das Bibelwort und die mündliche Ueberlieferung die Grundlage der Diskussionen ausmachten, bildeten bei den Emoraim Mischnah und Boraitha den Ausgangs- Punkt. Dem wissenschaftlich geschulten Talmudkenner ist es schon lange kein Geheimniß mehr, wie wenig Ernst es den Emo-