Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Veranlassung, Zweck und Entwickelung der halachischen und halachisch-exegetischen Sammlungen während der Tannaim-Periode
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 165 (sequence 8)
- Language
- German
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halachisch-exegetischen Sammlungen während der Tannaüu-Periode. 165 als stilistisch ausgezeichneten Redaktion zeigen. Man begegnet einem großartigen Produkte in vollendeter Gestalt, ohne unmittelbar die vielfach versuchten Anstrengungen wahrzunehmen, die zweifelsohne der Aufführung dieser Monumente vorhergingen. In denselben treten die Schulstreitigkeiten noch immer mit ungebrochener Kraft uns entgegen. Unwillkürlich steigen in uns folgende Gedanken auf. Man überzeugt sich sehr bald, daß die vorliegenden Sammlungen eben so wenig das Werk eines Tages seien, als sie ihre Entstehung rein schriftstellerischem Drange allein zu verdanken haben. Ein Rückblick auf den ersten Abschnitt dieser Periode genügt, um einzusehen, daß dieselben aus einem tiefgefühlten Bedürfniß hervorgegangen seien und.sie den nothwendigen Abschluß einer längeren Reihe von Versuchen bilden. Aber die Motive dieser Versuche, der Zweck, den diese in ihrer Gesammtheit sowohl als jede insbesondere erreichen wollen, darüber liegt ein Schleier ausgebreitet. Die bisherigen Resultate der kritischen Forschungen nach dieser Seite hin haben diesen Schleier keineswegs ganz gelüftet. Das einzige, was die Kritik bis jetzt mit Gewißheit ermittelt hat, beschränkt sich auf die allerdings wichtige Entdeckung : das Motiv jener Sammlungen sei, in den stark angewachsenen Halachahstoff Ordnung und Systematik zu bringen. Hiermit ist aber das Verhältniß der verschiedenen Sammlungen zu einander nicht erklärt. Auch noch einer anderen Frage kann man sich beim Anblick der fortdauernden Schulstreitigkeiten nicht erwehren. Wie kommt es, daß, trotz den Schulstreitigkeiten während mehrerer Geschlechter nach dem Verschwinden der schammaitischen und hillelitischen Richtungen nicht ein einziger Laut der Besorgniß über möglichen Verfall vernommen wird, während die Nachrichten aus der Blüthezeit der erwähnten Richtungen eine so düstere Stimmung in maßgebenden Kreisen über ein ähnliches Ereigniß wiedergeben? Zu dieser Frage gesellt sich beim Betrachten des geschichtlichen Materials derselben Periode im ersten Augenblick — und nur das erste Stadium der Untersuchung haben wir hier im Auge — noch das so eben berührte Räthsel, das der erste Zeitabschnitt in dem plötzlichen Verschwinden der besprochenen Richtungen darbietet. Mit der Erklärung dieses Punktes hat man bis jetzt, so viel uns bekannt, es leicht genommen. Nun, es ist wahr, nach der