Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Veranlassung, Zweck und Entwickelung der halachischen und halachisch-exegetischen Sammlungen während der Tannaim-Periode
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829402-2829406-2865693--13348-2865741- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
138 Veranlassung, Zweck und Entwickelung der halachischen und schen Arbeiten unserer Tage mit Aufmerksamkeit gefolgt ist, daß unser Gegenstand wohl oft, ja vielleicht zu oft, berührt, besprochen ttnd erörtert, aber immer nur in nebensächlicher Weise und nicht mit vollem Ernst als besonderes und alleiniges Untersuchungsziel in's Auge, gefaßt wurde. Wie hätte man dies auch anders erwarten sollen? Ist doch der Gegenstand scheinbar von einfacher Natur. Orientirung in demselben scheint eine Leichtigkeit zu sein, trotz dem unbefriedigten Gefühle, das die vorhandenen Lösungen so ziemlich bei Jedein zurücklassen. Was Wunder daher, wenn man seine kostbare Zeit nicht mit untergeordneten Fragen vergeüden und lieber für die Lösung größerer Aufgaben verwenden möchte! Nach dieser Seite hin bedarf es also keines näheren Nachweises/ daß unser Beginnen berechtigt sei. Schwieriger hingegen dürfte es sein, in wenigen Worten diese Berechtigung den obenerwähnten Werken gegenüber darzuthun; jene Werke, in denen alle Bedingungen einer gründlichen und erschöpfenden Lösung auch dieses Problems vorhanden sind. Wir wollen es daher gar nicht versuchen. Ueberzeugt jedoch, daß die Berechtigung sich von selbst in dem Verlaufe der Untersuchung ergeben wird, bemerken wir vorläufig nur Folgendes. Diese Arbeit hat ihren Ursprung zuin Theil in dem Streben, uns, an der Hand der in Darke Hamischnah entwickelten Darstellung, von der Entstehung und Entfaltung der literarischen Thätigkeit der in Rede stehenden Periode eine klare und deutliche Vorstellung zu inachen. Beim besten Willen wollte uns dies nicht gelingen. Je genauer wir die Hauptmomente, die die Mittelpunkte der betreffenden Erscheinungsgruppen in der Entwickelungsreihe der Halachah ausmachen, im Lichte der erwähnten Darstellung besehen, mit den einzelnen Erscheinungen selbst verglichen, desto weniger schienen jene diesen zu entsprechen. Die Erscheinungen setzen ganz andere Motive zu ihren Schöpfnngstrieben voraus, als die sind, die nach der im gedachten Werke entwickelten Ansicht hier sich äußerlich in den Mittelpunkten darstelleu sollen. Von einem freien Gesichtspunkte aus betrachtet, bildeten sich die nackten Fakta, die nun von selbst in den Vordergrund getreten waren, zu anderen ganz neuen Gestalten und Gruppen. In dieser nun mitgetheilten Genesis unserer Untersuchung sind zugleich die Aufgabe und Disposition derselben gezeichnet.