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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1871-01-01 · Heft 3 · p. Seite 120

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
20 (1871)
Issue
Heft 3
Article
Der jerusalemische Talmud im Lichte Geiger'scher Hypothesen
Date
1871-01-01
Page
Seite 120 (sequence 1)
Language
German
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Der jerusalemische Talmud 120 Per jerusalemische Talmud im Lichte Heiger'scher Kypolljesen?) Es ist eine häufig beobachtete Erscheinung, daß eine Mutter, wenn sie neben talentvollen und wohlgestalteten Kindern auch geistesarme, mißgeformte zur Welt gebracht hat, gerade diese letzteren am wärmsten herzt und hütet; die Skala ihrer Liebe steht gewöhnlich im umgekehrten Verhältniß zur Schätzung der Welt. Und das ist recht weise eingerichtet, daß den von der Welt Verletzten und Verachteten irgendwo Liebe und Theilnahme entgegenkomme. Etwas Aehnliches erfahren wir nicht selten auf dem Gebiete der Literatur; da hat ein sonst kenntniß- und geistreicher Schriftsteller in unglücklicher Stunde eine Hypothese gezimmert, die alles iuneru Haltes, aller Fähigkeit zur Existenz entbehrt. Die Freunde sagen zu ihm: überlaß diesen unnützen Luftbau dem Hauch der Winde; Du hast Einsicht und Arbeitskraft genug, um ein solides, wohlgefugtes Haus zu errichten. Aber da hilft kein Zureden; alle Schätze des Wissens, alle Schärfe des Geistes, aller Schmuck der Worte wird verschwendet, um diese von Grund aus morsche Hypothese auszubauen, um sie zu stützen und zu verzieren. Oder daß wir beim Gleichniß vom Kinde bleiben, dieses mißrathene Kind einer im Moment der Zeugung ungesunden Einbildungskraft wird gehätschelt; der Scharfsinn der Liebe wandelt mit erstaunlicher Kunst jeden Fehler in einen Vorzug; nimmer wird der Vater müde, von seinem Kinde zu spre- ’) Die Humanität gebietet, die Genfer Convention auch auf literarische Invaliden auszudehnen und sie nicht anzugreifen. Nichts desto weniger haben wir diesem Artikel Raum gegeben, weil der hier Bekämpfte sich noch immer sträubt, sich den Invaliden zuzugesellen, und mit seiner stumpfen Waffe noch immer um sich schlägt. Vielleicht wird ihm dieser Artikel die Augen öffnen, daß er sich endlich den Ruhestand gönnen möge, da seine Streiche doch nicht verwunden, und das; er eben so wenig zerstören wie schassen kann. Anm. d. Red.

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