Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 19 (1870)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Beleuchtung einer angeblich inhumanen Lehre im Talmud
- Date
- 1870-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2829388-2829400-2865504--13075-2865514- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
AjWdlmgm. Weteuchtung einer angeblich inhumanen Lehre im Talmud. Das altersgraue Judenthum, die Mutter der Religionen, die Urquelle der Gesittung, hat von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart viel durch Mißverständnisse und Verkennung gelitten. Obwohl es von der Humauitätsidee durchzogen ist, haben es die Apione, die Tacitus, die Eisenmenger aller Zeiten als menschenfeindlich verschrien: aäversus omnss alias hostile odium. Besonders ist der Talmud der Sündenbock, den! alle Schuld aufgebürdet wird, und es ist so weit gekommen, daß selbst diejenigen, welche von dem aus dem Talmud entsprungenen Amtstitel ihre Subsistenzmittel ziehen, Steine nach ihm werfen. Es ist aber nicht abzuleugnen, daß manche Talmudlehrer selbst zur Verkennung dessen, was sie so hochgehalten, beigetrageu haben. Praktisch von humaner Gesinnung geleitet, haben sie theoretisch aus Mißverständniß der ihnen vorliegenden Sentenzen und aus verkehrter Deutungssucht inhumane Aussprüche hingeworfeu, die, später stereotypirt, von den Feinden des Judenthums als Waffen gegen dasselbe gebraucht werden konnten. Ein lehrreiches Beispiel solcher Mißverständnisse bildet ein Satz im Talmud, der an sich harmlos, durch die Mißdeutung, die er erfahren hat, als Hauptbeweis für die inhumane Lehre des Talmud aufgeführt wird. Es ist die bekannte Stelle (Aboda Sara p. 26 g, d): Frankel, Monatsschrift. XIX. II. 81