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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1870-01-01 · Heft 10 · p. Seite 441

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
19 (1870)
Issue
Heft 10
Article
Biographie Agrippa II.
Date
1870-01-01
Page
Seite 441 (sequence 9)
Language
German
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Biographie Agr wpa II. 441 den Bewohnern des Fürstenthums ihre Abhängigkeit von Rom durch Usurpirung eines neuen Herrschers fühlen zu lassen. Indessen war Agrippa's Eitelkeit vorläufig befriedigt. Er dünkte sich jetzt ebenso dazustehen, wie sein Vater im Jahre 37. Aber man mußte weiter streben. Er wollte ebenso, wie sein Vater, einst ganz Palästina beherrschen, und dazu fehlte fast noch Alles. Daran natürlich, daß es für's Erste galt, sich in sein Fürstenthum zu begeben und die Reichsgeschäfte, die noch dazu nicht sehr bedeutend gewesen sein werden, zu übernehmen, die Interessen der Einwohner Wahrzunehmen, wie sein Vater in rühmlicher Weise gethan hatte, daran dachte er nicht. Seine Vergnügungen in der Welt- Hauptstadt ließen ihn nicht abkommen. Es war ihm genügend, die Steuern aus seiner Herrschaft erheben zu lassen und in Rom zu verprassen. So lebte er daselbst auch weiter thatenlos fort, während er, wenn er in seinem Lande gewesen wäre, alle Augenblicke seinen leidenden und hart gequälten Glaubensgenosien Helsend hätte zur Seite stehen können. Sein Vater, in dessen Fußtapsen er ja überall treten wollte, war jedesmal für die Juden eingetreten, obgleich zu seiner Zeit die Sachen noch nicht so schlimm lagen, als jetzt. Das Volk war immer erbitterter und verbissener gegen den Druck der Römer geworden, und in derselben Progression mit der Erbitterung des Volkes stieg die Anmaßung der römischen Sendlings. Auf Fadus, der der messianischen Schwärmerei des T h e u d a s durch ein blutiges Gemetzel seiner unschuldigen Anhänger ein ׳Ende gemacht hatte, war T i b e r i u s Alexander gefolgt. Das war ein politischer Fehler des Hofes, denn man konnte mit Sicherheit voraussehen, mit welchen Augen die Juden einen Mann ansehen würden, der als Neffe des Alabarchen von Alexandrien die Religion feiner Väter verlassen und sich dem Heidenthum zugewandt hatte. Man sah in der Thal bald seine Untauglichkeit ein, und schickte ihm in C u m a n u s einen Nachfolger, ungefähr zu derselben Zeit, in welcher Herodes von Chalcis, der Vorgänger unseres Agrippa,

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