Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 19 (1870)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Halachah-kritische Forschungen
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 356 (sequence 2)
- Language
- German
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856 Halachah-kritische ForMungen. Kidduschin Kap. 4 theils zum Gegenstand und theils zum Ausgangspunkte haben. Eine eingehende Vergleichung derselben mit den betreffenden Stellen in der Tojephthah ergiebt ein in mehrfaeher Beziehung merkwürdiges Resultat. Erstens bietet es die gewöhnlich am welligsten vorausgesetzte Erscheinung, daß auch beit palästinensischen Amoraim eine in der ursprünglichen Form auf uns gekommene Halachah-Gruppe unzugänglich war. Und dieser Umstand ist um so bezeichnender, als er der Redaktion des jerusalemischen Talmud Anlaß zu einer verkehrten Auffassung der betreffenden Mischnah gab. Dann hat dieselbe Ursache in den babylonischen Amora-Schulen der Interpretation der Mischnah ungemeine Schwierigkeiten bereitet und eine noch ziemliche Anzahl Lösungsversuche hervorgerufen. Endlich enthält einer dieser Versuche, der, ohne die für die richtige Auffassung unentbehrliche Quelle zu kennen, mit merkwürdigem Takte das Richtige herausgefühlt hat, einen warnenden Wink, in unserm Urtheile über die Interpretationsweise des babylonischen Talmud vorsichtiger zu sein. Wie wir bereits inr Eingänge bemerkt haben, spricht die Mischnah eine Sprache, deren Verständniß die Bekanntschaft mit einer Welt bedingt, die für uns großentheils verloren gegangen, mit der aber die Gedankenwelt der Amoraim viele Verwandtschaft hatte. Und so geschieht es öfter, daß nrancher Amora, ohne gerade Rechenschaft davon geben gu können, die verborgene Absicht herausfühlt. Zur Basis der Halachoth-Reihe im Kap. 4 des eben erwähnten Traktats nimmt die Mischnah-Redaktion die von Hillel wahrscheinlich aus Babel mitgebrachte Mischnah. Dieselbe besteht aus zwei Bestandtheilen, nämlich einer historischen Notiz und einer an diese angeknüpfte Halachah-Gruppe. Es kann kaum einem Zweifel unterliegen, daß die erste Mischnah in dem gedachten Kapitel einen babylonischen Ursprung hat und von Hillel nach Palästina mitgebracht worden ist. Sowohl die Zehnzahl als die theilweise atamäischen Ausdrücke und ganz aramäischen Endungen, wie auch der öfter im Talmud (vgl. ibid. 75 a und Parall.) vorkommende Bericht: הלל שונה עשרה יוחסין עלו מבבל ובלם מותרים לבא זה בוה bezeugen dies zur Genüge. Die Zehnzahl; denn hätte die historische Grundlage עלו מבבל euren palästinerrsischen Ursprung, so würde der Tradent, der ohnehin einen halachischen Zweck verfolgt, es nicht. Unterlassen haben,, gleichzeitig die Bestandtheile der pa-