Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 19 (1870)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Beleuchtung einiger Stellen in Exodus 3, 1-15, 22
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 209 (sequence 17)
- Language
- German
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Beleuchtung einiger Stellen in Exodus 3> 1—15, 22. 209 Erscheinung am Horeb und in der zweiten Hälfte des dritten Abschnittes ein so wichtiger Platz eingeräumt wird? Eben so wenig ist die Wichtigkeit einzusehen, die dem Mitführen der Gebeine Joseph's so unverkennbar beigelegt wird, so daß die Berichterstattnng, von den Verhältnissen in die Enge getrieben, einen solchen Umweg machen mußte, um doch an irgend einer Stelle dieses Ereigniß der Nachwelt aufzubewahren. Daß derselbe Punkt, als letzter Wunsch Joseph's, in Genesis (50, 24 und 25) vorkommt, kann nicht befremden. In diesem Buche, das Fannlienereignisse zum geschichtlichen Objekte hat, ist jeder interessante Zug an einer Hauptperson, besonders einer solchen, wie die Joseph's, wichtig. Aber in unserem Buche, in dem die geschichtliche Erinnerung aus der patriarchalischen Periode nichts mehr als die drei Stammväter, und auch diese nur als die idealen Träger des nationalen Gottesbegriffes, aufbeivahrt hat, ist das große Gewicht, das auf dieses Faktum gelegt wird, unbegreislich. Der Grund dieser Erscheinung muß daher in Zeitumständen des Benchterstatters gesucht werden. Beide Punkte müssen damals eine solche Wichtigkeit gehabt, ein solch warmes Interesse erregt haben, daß die Berichterstattung diese»! Umstande Rechnung tragen mußte. Bei welchem Geschlechte aber anders, als bei devr ersten oder ziveiten nach dem Auszuge, kann man ein so reges Interesse für diese Punkte voraussetzen? Seit der Groberung Palästina's hat der geschichtliche Verlauf eine ganz neue Welt mit anderen Anschauungen, Bedtirfnissen und Interessen hervorgerufen, eine Welt, in der der Auszug aus Egypten kein rechtes Verständniß mehr fand, da dessen Realität in eine solche weite Ferne geriickt war, daß dessen Erwähnung bei den Propheten ans die Zuhörer beinahe den Eindruck einer Mythe machte. Wie sollten da solche Einzelnheiten, wie die bewußten Fakta, irgend welches, geschweige denn ein solches Interesse gehabt haben? vr. Dünner. Frankel, MonakSschrist. XIX. s. 14